„Die zukünftigen Imame werden indoktriniert“


Imame, ausgebildet in Deutschland. Das ist ein lang gehegter Wunsch vieler. Jetzt startet Ditib ihr erstes Ausbildungszentrum. Islamexperte Ahmet Toprak ist skeptisch.

Interview: Judith Luig | ZEIT ONLINE

Kazim Türkmen (Zweiter von rechts), Bundesvorsitzender des Ditib-Bundesvorstands, und Markus Kerber (recht), Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, mit den Auszubildenden bei der Eröffnung des Ausbildungszentrums der Ditib in der Eifel. © Roberto Pfeil/​dpa

Der Islamverband Ditib eröffnet ein Ausbildungszentrum für Imame in Deutschland. Der Ditib-Bundesvorsitzende Kazim Türkmen sprach bei der Feier von einem „Neuanfang“ und einer „historischen Entwicklung nicht nur für Ditib, sondern auch für Deutschland“. Nach der Spitzel-Affäre 2017 hatte der größte deutsche Moschee-Verband einiges an Vertrauen verspielt. Kann er das wiedergewinnen? Islamexperte Ahmet Toprak mit dem Schwerpunkt Konfliktmanagement ist skeptisch. 

ZEIT ONLINE: Heute stellt der Islamverband Ditib in Dahlem der Eifel ihre erste Ausbildungsstätte für Imame vor. Das Programm beginnt mit 22 Bachelorabsolventen, die in Deutschland ihr Abitur gemacht und in der Türkei Islamische Theologie studiert haben. Ist das ein guter Tag für den Islam in Deutschland?

Ahmet Toprak: Es wäre ein guter Tag, wenn Ditib seine Verbindungen zum türkischen Staat transparent gemacht hätte. Das haben sie aber nicht. Das bedeutet, die Türkei wird immensen Einfluss auf diese Ausbildung haben. Zwar behauptet die Ditib, dass sie die Ausbildung aus eigenen Mitteln finanziert, aber das ist eigentlich unmöglich. Nur über Mitgliederbeiträge kann das nicht funktionieren.

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