Angriff auf Connewitz: Ein JVA-Beamter unter Neonazis


  • Der Prozess gegen einen Angeklagten, der an rechtsextremer Randale in Leipzig beteiligt gewesen sein soll, ist geplatzt.
  • Kersten H. erschien nicht vor Gericht – sein Fall ist heikel, weil er JVA-Beamter ist.
  • Sein Beamtenstatus hängt von dem Urteil vor dem Amtsgericht Leipzig ab – doch das Verfahren zieht sich seit einem Jahr hin.

Antonie Rietzschel | Süddeutsche Zeitung

Marcus Pirk wartet. Er ist Richter am Amtsgericht Leipzig. Es ist der 9. Januar, 10 Uhr. Auf der Tagesordnung steht ein Verfahren wegen schweren Landfriedensbruchs. Allein, es fehlen die beiden Angeklagten. Pirk beugt sich über das Mikro an seinem Tisch. Draußen auf den Fluren ist seine Stimme zu hören. Ein letzter Aufruf. Die Tür öffnet sich, ein Mann schlendert grußlos herein, pfeffert seinen blauen Aktenordner auf den Tisch, setzt sich.

Der Stuhl von Kersten H. bleibt leer. Sein Anwalt sagt, jemand habe H. telefonisch in seiner Kanzlei entschuldigt. Magen-Darm. Ein ärztliches Attest liegt jedoch nicht vor. Pirk schickt Polizisten los. Sie sollen den Angeklagten herbeischaffen. 45 Minuten später kommen sie allein zurück. Kersten H. ist nicht auffindbar.

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