Er hat die Bundesrepublik mit aufgebaut, war einer der ganz großen Religionswissenschaftler: Hans-Joachim Schoeps. Ein Konservativer durch und durch. Mehr noch: Zeitweise hegte er Sympathien für die Nazis. Als Jude. Sein Sohn hat eine Biographie in Auftrag gegeben. Er wollte Klarheit.
Carsten Dippel | Deutschlandfunk

Im Jahr 1933 verfasste ein junger jüdischer Religionswissenschaftler einen Brief an Adolf Hitler. Der „Führer“ möge sich doch bitte dafür einsetzen, dass die Juden des Deutschen Reiches im neuen nationalsozialistischen Deutschland einen angestammten Platz und ein Bleiberecht erhielten. Wenige Jahre später musste Hans-Joachim Schoeps, so der Name des Briefschreibers, Deutschland verlassen. Er floh, bereits auf einer Gestapo-Liste stehend, am Weihnachtsabend 1938 vom Berliner Flughafen Tempelhof. Sein aus heutiger Sicht verwirrender, damals aber durch und durch ernst gemeinter Appell an den „Führer“, war natürlich wirkungslos verhallt. Die Eltern von Hans-Joachim Schoeps wurden deportiert und ermordet. Er selbst überlebte im schwedischen Exil und kehrte 1946 ins kriegszerstörte Deutschland zurück. Professor Micha Brumlik:
„An seiner Treue zu Deutschland und seiner überaus starken Treue zu seiner Idee von Preußen hat sich wirklich nie irgendetwas geändert. Er war schlicht nicht in der Lage zu sehen, dass es sich da um einen Fehler gehandelt habe, weil ja seine Weltanschauung, sein Preußentum, seine Ablehnung eines menschheitlichen Universalismus und seine Abneigung gegen das Laissez-faire der liberalen Demokratie, das ist gleich geblieben.“
Micha Brumlik