Prothesen aus dem 3-D-Drucker: Vom Krieg versehrt


Täglich verlieren in den Kriegsgebieten des Mittleren Ostens Menschen Arme und Beine – unter ihnen auch viele Kinder. In einem Krankenhaus in Jordanien werden sie nun mit Prothesen aus dem 3-D-Drucker versorgt. Ein großes Glück.

Eva Schläfer | Neue Zürcher Zeitung

Auf dem Weg der Genesung: Die fünfjährige Najam aus dem Jemen mit Logopädin Rawan Arar. Bild: Hussein Amri/MS

Es ist eine lachende Kuh, die mich aus der Fassung bringt. Ihr roter Kopf, ihr geöffnetes Maul rufen urplötzlich schöne Erinnerungen hervor. Das Substrat eines unbeschwerten Familienurlaubs in der Bretagne: das kleine Ferienhaus, der wellenreiche Atlantik, mein Bruder, der uns mit seinem Rennrad Baguette holt. Das wird mittags am breiten Sandstrand geteilt, dazu gibt es den Käse aus dem runden Karton, auf dem das Kuh-Konterfei und der Markenname stehen. Diese Bilder erscheinen mir in einer Deutlichkeit, die mich überrascht. Immerhin ist das alles mehr als 30 Jahre her. Auch die lachende Kuh habe ich seitdem nicht mehr bewusst wahrgenommen. Doch jetzt blickt sie mich unvermittelt an. Nicht sie selbst bereitet mir Unbehagen, es ist vielmehr der ganz andere Kontext, in dem ich ihr nun wiederbegegne. Und der mir so eindrücklich klarmacht, wie privilegiert ich lebe – schon immer gelebt habe.

Genau diese Verpackung in den französischen Nationalfarben liegt nämlich nun etwa einen Meter von mir entfernt auf einem Tisch in einem kleinen Behandlungszimmer in einem Krankenhaus in Amman mitten in Jordanien. An dem Tisch sitzt der 30 Jahre alte Mohammad Al-Ta’ezy. Sein linker Unterarm endet in einem Stumpf. An der rechten Hand fehlen ihm der Daumen und die Endglieder von Mittelfinger und kleinem Finger.

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