Das Attentat als scheinbare Wunderwaffe – die aber alles verschlimmert


Wenn Regierungen töten lassen, hat das selten die erwünschten Erfolge. Das ergaben Studien. Gefiel Trump sich mit einer leeren Geste? Ein Gastbeitrag.

Nina L. Chruschtschowa | DER TAGESSPIEGEL

Auge um Auge? Der Mord an dem iranischen General Soleimani dürfte sich für Trump kaum als Wundermittel erweisen.Foto: AFP

Einem Möchtegern-Kriegsherrn wie US-Präsident Donald Trump müssen Attentate wie eine außenpolitische Wunderwaffe vorkommen. Man beseitige die Führung des Feindes mit einem Drohnenangriff oder einem Gewehrschuss, und schon sind alle Probleme sind gelöst. Tatsächlich besteht keine historische Grundlage für die Annahme, dass Attentate irgendetwas lösen. Andererseits aber gibt es jede Menge Präzedenzfälle, die belegen, dass man damit die Situation noch weiter verschlimmert.

Bei Attentaten handelt es sich in beinahe allen Fällen um verzweifelte, hochriskante Unterfangen, die in der Regel nicht von Staatsmännern, sondern von strammen Ideologen ausgeführt werden. Das steht fest seit dem „goldenen Zeitalter” der Attentäter – Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts in Europa und Amerika. Damals ermordeten Anarchisten zwei US-Präsidenten (James A. Garfield und William McKinley), einen russischen Zaren (Alexander II.), eine Habsburger-Kaiserin (Elisabeth, Ehefrau von Franz Joseph I.), einen italienischen König (Umberto I.), einen französischen Präsidenten (Sadi Carnot) und zwei spanische Ministerpräsidenten (Antonio Cánovas del Castillo und José Canalejas y Méndez).

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