Mit Religionskritik den Dingen auf den Grund gehen


Seit zwei Jahren gibt es in Leipzig eine Professur für Religionskritik – in Deutschland einzigartig. Lehrstuhlinhaber Horst Junginger will Religionen aber nicht abschaffen. Ihm geht es darum, Kriterien für eine angemessene Kritik zu erstellen.

Christian Röther | Deutschlandfunk Kultur

Angesichts sinkender Mitgliederzahlen reagieren einige Kirchenleute empfindlich darauf, dass es an der Uni Leipzig eine Professur für Religionskritik gibt. (imago/fStop Images/Brent Larson)

Es klingt nach Leipzig, aber eher nicht nach Religionskritik: Morgens im Büro von Horst Junginger. Der Professor hat Kaffee gekocht und Johann Sebastian Bach aufgelegt – den heiligen Komponisten des Protestantismus. Aber hat Junginger heute auch schon Religion kritisiert?

Religion hinterfragen, nicht bekämpfen

Junginger lacht. Die Vorstellung, „dass ich morgens schon aufstehe mit dem Ziel, Religion zu kritisieren“, amüsiert ihn. Junginger ist an der Universität Leipzig zwar Professor für Religionswissenschaft und Religionskritik, doch er gehört nicht zu denen, die ihr Leben dem Kampf gegen die Religion verschrieben haben – obwohl er auch Kampfsport betreibt.

„Das ist definitiv nicht die Aufgabe und nicht mein Verständnis von Religionskritik“, sagt Junginger. „Man könnte eher sagen: wissenschaftliche Kritik in dem Sinne, Dingen auf den Grund zu gehen, zu sehen: Warum sind Religionen da? Welche Funktion haben sie? Welche Bedeutung kommt ihnen zu? Wie verhält sich das Beziehungsgeflecht mit der Politik, mit der Ökonomie und mit anderen gesellschaftlichen Faktoren?“

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