Mitten in Bayern:Lösungen in der Überzahl


In der Welthauptstadt des altbayerischen Katholizismus sind 2019 schon das zweite Jahr in Folge mehr Ehen gelöst worden als geschlossen. Was ist da los?

Matthias Köpf | Süddeutsche Zeitung

Im Vergleich zum Jahr davor sei das „eine leichte Entspannung“, berichtet der Alt-Neuöttinger Anzeiger. Immerhin, aber der Eindruck tiefer Seelenruhe, gar echter Erlösung mag sich auch nicht einstellen angesichts der neuesten Zahlen aus dem Altöttinger Standesamt. Jetzt rein spannungshalber aber erst noch die leichte Entspannung: 150 Ehen sind in Altötting im Jahr 2019 gelöst worden, und das waren 14 weniger als 2018. Andererseits soll es ja Ehen geben, bei denen erst die Auflösung zu einer leichten bis mittelschweren Entspannung führt. Doch Rückgang hin, Entspannung her: In Altötting scheint sich ein Trend zu verfestigen. Jedenfalls sind in der Welthauptstadt des altbayerischen Katholizismus 2019 schon das zweite Jahr in Folge mehr Ehen gelöst worden als geschlossen.

Bevor von dort jetzt die ersten Bußprozessionen nach Tschenstochau, Lourdes oder Loreto aufbrechen: Leichte Linderung kommt aus dem Ausland, denn in Altötting wurden 2019 vier irgendwo in der Ferne geschlossene Ehen nachträglich mit deutschen Urkunden versehen, und das macht mit den 147 hiesigen Hochzeiten 151 – also doch eine mehr als die Ehelösungen. Außerdem sind die Altöttinger Standesbeamten nicht nur für die 13 000 Altöttinger zuständig, sondern auch für die Menschen in Kastl, Emmerting, Tüßling, Teising und Unterneukirchen, und vielleicht liegt es ja an denen.

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