Widerspruch gegen die Widerspruchslösung


Der Bundestag stimmt am Donnerstag über das umstrittene Organspende-Gesetz ab. Es simuliert die Freiwilligkeit der Spender. Das widerspricht dem Hauptsatz des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Heribert Prantl | Süddeutsche.de

Ich finde es nicht richtig, dass ein Mensch widersprechen muss, um sich das Recht auf körperliche Unversehrtheit zu erhalten. Am kommenden Donnerstag wird im Bundestag über die sogenannte Widerspruchslösung abgestimmt; sie soll nach dem Willen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) jetzt Gesetz werden. Es macht jeden Menschen zum potenziellen Organspender, der einer Organentnahme nicht rechtzeitig widersprochen hat.

Es darf aber nicht sein, dass das Recht auf körperliche Unversehrtheit künftig unter Vorbehalt steht. Dieses Recht ist ein Fundamentalgrundrecht. Die sogenannte Widerspruchslösung rüttelt an diesem Fundament. Ich halte das für eine Verirrung, für einen schweren, einen furchtbaren Fehler aus guter Absicht. Der gute Zweck und die gute Absicht bestehen darin, auf diese Weise die Zahl der Organe, die künftig für Transplantationen zur Verfügung stehen, zu erhöhen. Der Mangel an Spenderorganen soll also per Widerspruchslösung behoben werden. Das ist ein sehr zweckrationaler Umgang mit Toten und Sterbenden, das ist ein ökonomistischer Umgang mit den Menschen am Ende des Lebens, das ist ein Verfahren, das zum Menschenbild des Grundgesetzes nicht passt.

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1 Comment

  1. Wie wäre es denn mit einer Kompromißlösung: Man wartet, bis der Spender tot ist.
    Dann ist 1. die körperliche Unversehrtheit maximal aufgehoben, und 2. jedes Interesse des Spenders beendet.
    Ach so, das IST bereits so? Dann verstehe ich den Einwand nicht.

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