Gedenkstätten-Chef über Provokateure „Rechte bekommen Diskurshoheit“


Die KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen erlebt mehr Provokateure, die die Shoah anzweifeln, sagt Jens-Christian Wagner.

Petra Schellen | taz

taz: Herr Wagner, sind rechte Provokateure, von denen Sie jüngst berichteten, in KZ-Gedenkstätten etwas Neues?

Jens-Christian Wagner: Nein. Abwehr und Leugnung von NS-Verbrechen sind nicht neu. Wir beobachten aber, dass dies durch Gedenkstätten-Besucher sagbarer geworden ist und dass es häufiger vorkommt. Außerdem erleben wir, dass in Besuchergruppen – auch bei Schülern – Einzelne offenbar gezielt darauf vorbereitet wurden, provozierende Fragen zu stellen. Ziel sind Scheindebatten, in denen revisionistische Überzeugungen verkündet werden.

Woran erkennen Sie diese Fragen?

Es sind Signalfragen, die zunächst harmlos erscheinen, aber einen provozierenden Hintergedanken haben. Der Klassiker: Es wird nicht geleugnet, dass es in Bergen-Belsen hohe Opferzahlen gab, insbesondere 1945, in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs. Der Provokateur behauptet aber, dies sei die Folge kriegsbedingter Versorgungsengpässe wegen der Luftangriffe der Alliierten gewesen. Daher seien die Alliierten an dem Massensterben in Bergen-Belsen schuld – und nicht die SS, die die KZ verwaltete und bewachte.

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