IQ-Tests als Mittel zur Abgrenzung nach „unten“


Der Artikel "Vom ideologischen Konstrukt der Hochbegabung", der am 28.11.2019 auf Telepolis erschienen war, wurde mit einem Gegenartikel "Störfaktor Intelligenz" am 15.12.2019 von Hans-Dieter Rieveler kommentiert. Hier die Antwort auf letzteren Beitrag.

Christopher Stark | TELEPOLIS

Um das gleich voran zu stellen: Weder der Artikel „Vom ideologischen Konstrukt der Hochbegabung“ noch dieser Artikel erfolgen aus „narzisstische[r] Kränkung“ heraus, wie Herr Rieveler unterstellt – oder motiviert durch die Ablehnung der „ungeliebten Erkenntnisse der Intelligenzforscher“. Vielmehr geht es darum, dass das von Rieveler propagierte technokratische und elitäre Menschenbild nicht unkommentiert bleiben soll.

Der von Rieveler gewählte Titel zeigt schon, dass beide Autoren zumindest zum Teil aneinander vorbeireden. Es ging ja ursprünglich um das Konzept der sogenannten „Hochbegabung“ und nicht um Intelligenz allgemein. Es geht hier auch nicht um „Vorurteile gegen Hochbegabte“, sondern um unterschiedliche Sichtweisen in Bezug auf Menschenbild und Bildungsideal.

Stellen wir also doch einfach mal die Frage nach dem Bildungsideal: Wollen wir eine Gesellschaft, in der gefördert wird, dass möglichst viele Schüler zu hoch spezialisierten Experten werden, oder wollen wir eine Gesellschaft integrer, neugieriger und ausgeglichener Menschen? Sollten sich Schüler in allgemeinbildenden Schulen (man beachte den Wortsinn davon!) spezialisieren oder sollen sie eine umfassende Allgemeinbildung und die Fähigkeit zum kreativen Selberdenken und -agieren erlangen? Welche Implikationen haben solche Richtungsentscheidungen für die Gesellschaft, die Entwicklungsperspektiven sowie den sozialen Zusammenhalt? Das sind Fragen, die hier vor allem diskutiert werden sollten – und nicht die Frage, wie genau in der Psychologie „Hochbegabung“ definiert wird.

In diesem Artikel soll aus einem Blickwinkel der Reformpädagogik heraus die Gegenposition zum Leistungsdenken im Bildungssystem eingenommen werden. Bildung ist ihr folgend nicht als eine Summe von Fakten und eine Aneignung schnöder technischer Fähigkeiten – sondern vor allem im Sinne von Persönlichkeitsbildung und kritischem Hinterfragen zu verstehen:

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