Anti-Crispr könnte Probleme mit Genschere lösen


  • Moderne Genscheren haben in biologischen Labors eine Revolution ausgelöst.
  • Doch in der Natur haben die aus Bakterien stammenden Werkzeuge Gegenspieler, die von Viren stammen.
  • Die viralen Moleküle sollen nun genutzt werden, um Anwendungen von Crispr-Cas besser zu kontrollieren und zu lenken.

Kathtrin Zinkant | Süddeutsche Zeitung

Zufallsfunde spielen in der Forschung eine nicht zu unterschätzende Rolle. So war es ein Zufall, als japanische Forscher 1987 einen rätselhaften Abschnitt im Erbgut von Bakterien entdeckten. Jahre später wurde klar, dass das sonderbare Genmotiv zu einem Abwehrsystem gehört, mit dem sich Bakterien gegen Bakteriophagen, also Viren wehren – sie schnippeln das Erbgut der Eindringlinge ganz gezielt kurz und klein. Und wieder Jahre später erkannten zwei Wissenschaftlerinnen, dass man das Crispr-Cas genannte System als gentechnisches Werkzeug für praktisch alle Lebewesen kapern kann. Ende 2012 erschien die entscheidende Publikation in Science, und was folgte, war eine Revolution. Binnen weniger Jahre eroberte Crispr-Cas die Lebenswissenschaften und die medizinische Forschung. Erste Studien an Patienten haben im vergangenen Jahr begonnen.

Doch die Geschichte ist damit nicht zu Ende. Laut einem aktuellen Bericht in Nature könnte ein weiterer Zufallsfund nun die nächste Stufe der Revolution einleiten: Erst vor wenigen Jahren sind Mikrobiologen nämlich über ein weiteres Abwehrsystem gestolpert – diesmal eines der Bakteriophagen selbst. Die Viren schleusen ins Erbgut der Bakterien Gene ein, aus denen kleine Eiweiße hergestellt werden.

weiterlesen