Nur ein Verzicht der Kirche auf alle Machtstrukturen wird heilsam sein


Die Kirche verliert heute immer mehr an Relevanz und Autorität. Sie steckt in der Krise. Weder ein „Weiter so“ noch halbherzige Reformen können die Kirche retten, analysiert der Priester Reiner Nieswandt. Er sagt: Um die Krise zu überwinden, muss sie sich neu erfinden.

Reiner Nieswandt | katholisch.de

Die katholische Kirche in Deutschland und (wahrscheinlich) in weiten Teilen Europas befindet sich am Beginn eines gewaltigen Umbruchs, den man ohne Übertreibung als „epochalen Gestaltwandel“ bezeichnen darf, ähnlich wie zu Beginn der Reformation vor rund 500 Jahren.

Aber was ist die Ursache für den gegenwärtigen Verlust einer von der Breite der katholischen Bevölkerung getragenen Kirchlichkeit? Vonseiten „konservativer“ Bewahrer wird vor allem die fortschreitende Säkularisierung der „westlichen“ Lebensweise und deren „Eindringen“ in die katholische Kirche nach dem II. Vatikanischen Konzil beklagt. „Liberal“ denkende Katholiken hingegen vermissen Reformbereitschaft des kirchlichen Lehramts bei der Morallehre – insbesondere mit Blick auf die menschliche Sexualität – und kritisieren dessen Weigerung, die weiterhin monarchisch-absolutistisch verfassten Strukturen der Kirche nach dem Vorbild westlicher Gesellschaften und ihrem Modell der Gewaltenteilung zu demokratisieren. Während die einen den Vorwurf zu hören bekommen, ins Vorgestern zurück zu wollen, werden die anderen aufgefordert, doch „evangelisch“ zu werden, da in den protestantischen Kirchen viele ihrer Forderungen schon längst realisiert seien.

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