Stark – schön – erfolgreich – «Fitness und Kapitalismus gehören eng zusammen»


Manager, die morgens um vier um den See joggen. Vollzeitangestellte, die über Mittag mit einem Salätchen ins Yoga gehen oder nach Feierabend Gewichte stemmen. Der Historiker Jürgen Martschukat hat den ungebrochenen Fitnessboom im Licht der liberalen Wettbewerbsgesellschaften untersucht.

SRF

SRF News: Wann haben die Menschen begonnen, Sport zu treiben, statt sich von der Arbeit auszuruhen?

Jürgen Martschukat: Eine erste Fitnesswelle ist im späten 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert zu beobachten, als die Menschen anfingen, an sich selber zu arbeiten und zu trainieren. Erstmals wurde der Körper als krisenhaft empfunden und man meinte, ihn stärken und stählen zu müssen. Ganz nach dem Motto: Schneller, leistungsfähiger, besser und auch schöner. Ich interessiere mich vor allem für die zweite Fitnesswelle ab den 1970er-Jahren in den westlichen Gesellschaften.

Seit 50 Jahren wird also Sport nicht mehr nur zum Spass betrieben?

Das ist richtig. Wobei die Arbeit an sich selber für bessere körperliche Leistungsfähigkeit und vielleicht auch mehr Erfolg durchaus Spass machen kann. Der Trick dabei: Auch «Spass haben» ist in eine Wettbewerbsgesellschaft eingebettet, die will, dass wir das Beste aus uns herausholen. Auch «Spass haben» ist in eine Wettbewerbsgesellschaft eingebettet, die will, dass wir das Beste aus uns herausholen.

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