Philosoph Safranski: „Der Sinn für Religion verschwindet“


Deutscher Philosoph in Interview über sein neues Hölderlin-Buch: Mensch ist heute zerrissen zwischen „politisierten Religionen“ und nihilistischem Substanzverlust

kathpress

Der deutsche Philosoph Rüdiger Safranski ortet einen schwindenden „Sinn für Religion“ in der Gesellschaft. Er stelle dieses Schwinden gleichermaßen in der Philosophie wie im Alltagsleben fest, sagte Safranski der „Presse am Sonntag“ (19. Jänner). Zugleich bedeute das aber nicht zwangsläufig, dass diese Entwicklung unumkehrbar sein: Auch wenn die Gesellschaft säkularisiert sei, so könne doch die Konfrontation mit Migranten etwa auch eine „neue Konfrontation mit dem Religiösen“ bedeuten. Im Blick auf die Religion erkenne er jedenfalls ein „unglaubliches Spannungsfeld“: „zwischen dem Verschwinden der Religion, einer Sehnsucht nach Religion und einer Angst vor ihr“. Eine solche Situation habe es „noch nie gegeben“.

Auf der einen Seite gebe es „politisierte Religionen (…), die den liberalen Geist gefährden“, auf der anderen Seite würden die Menschen, die ihre religiösen Bindungen eingebüßt hätten, zusehends gefährdet sein, „dem Nihilismus zu verfallen, der nur mehr Konsum kennt“. Der Verlust des Sinns für die Religion gehe insofern mit einer „Entkernung, einem Verlust an Substanz“ einher.

weiterlesen