Syrisch-türkisches Geheimdiensttreffen: Druck auf die YPG


Seit genau zwei Jahren besetzt die Türkei den nordsyrische Distrikt Afrin, seit Oktober vergangenes Jahr darüber hinaus nordsyrisches Territorium zwischen Tal Abyad (kurdisch: Gire Spi) und Ra’s al-‚Ain (kurdisch: Serê Kaniyê). Der türkische Präsident Erdogan begründet die Präsenz des türkischen Militärs, die maßgeblich – und zum Leidwesen der Bewohner – von verbündeten islamistischen syrischen Milizen unterstützt werden, mit „nationalen Sicherheitsinteressen“ der Türkei gegenüber den kurdischen YPG.

Thomas Pany | TELEPOLIS

Wie sollen sie dazu gebracht werden, mit Syrien zusammenzuarbeiten? Milizen der Türkei mit IS-Handzeichen in Syrien. Bild: NPA

Aus Sicht der Kurden geht es nicht um „Sicherheitszonen“, wie es das Narrativ der Türkei kosmetisch verbreiten will, sondern um die Einrichtung von Protektoraten, die eine demografische Absicht verfolgen, nämlich die Vertreibung von Kurden und die Neuansiedlung einer Bevölkerung, die zur politischen Agenda der Türkei passen. Dass Afrin de facto unter türkischer Verwaltung steht, islamisiert wird, der Schulunterricht mit neuen Lehrern und neuen Schulplänen durchgeführt wird, und Zeichen der kurdischen Kultur entfernt wurden, bestätigt das Bild einer türkischen de-facto-Annexion.

Dazu kommen Berichte von Plünderungen und brutalen Menschenrechtsverletzungen in Afrin und der besetzten Zone im Nordosten seitens der mit der Türkei verbündeten syrischen radikalislamistischen Milizen.

Auch die syrische Regierung unter Baschar al-Assad hat sich mehrmals entschieden gegen die türkische Invasion ausgesprochen, allerdings ohne Konsequenzen. Gegen ein aktives Einschreiten der Regierung in Damaskus stehen mehrere Gründe. Militärisch machbar wäre dies nur mit der Unterstützung Russlands, dagegen stehen jedoch die Astana-Vereinbarungen sowie zwei Abmachungen, die Russland mit der Türkei getroffen hat, einmal im September 2018 in Sotschi und schließlich Ende Oktober 2019 nach dem türkischen Angriff („Operation Friedensquelle“) auf das oben genannten Gebiet zwischen den beiden Städten Tal Abyad (kurdisch: Gire Spi) und Ra’s al-‚Ain (kurdisch: Serê Kaniyê).

weiterlesen