Halal- und Haramcoin


Während europäische, amerikanische und chinesische Zentralbanker und Politiker Digitalwährungen vor allem nach Gesichtspunkten wie den Auswirkungen auf die eigenen Währungen und die eigenen Handlungsspielräume debattieren (vgl. Französischer Finanzminister will Facebook-Währung Libra europaweit verbieten) hat die Debatte in der islamischen Welt noch eine andere Dimension:

Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Symbolbild: BTC Keychain. Lizenz: CC BY 2.0

Die Frage, ob solche Innovationen religiös erlaubt („halal“) oder religiös verboten („haram“) sind. Eine Dimension, die inzwischen auch Digitalwährungsnutzer außerhalb dieser Welt eifrig diskutieren, weil 1,8 Milliarden Menschen, die sich potenziell von so etwas leiten lassen, auch Einfluss auf die Kurse haben können.

„Mal“

Ob der deutlich Bitcoin-Kursanstieg, der 2018 kurz nach der Veröffentlichung eines „Arbeitspapiers“ des Muftis Muhammad Abu Bakar geschah, tatsächlich mit dieser Veröffentlichung zu tun hatte, ist jedoch umstritten. Auch deshalb, weil dieses Gutachten Bitcoins nicht in jedem Fall vom Vorwurf der „Unreinheit“ freispricht, sondern nur dann, wenn sie ein Käufer mit der Intention erwirbt, sie als Zahlungsmittel einzusetzen. Kauft er sie mit dem Hintergedanken einer Kurssteigerung, so Muhammad Abu Bakar, wären sie „haram“.

Zum anderen gibt es über dieses bekannte Papier hinaus (von dem Muhammad Abu Bakar sagt, es sei keine „Fatwa“) verschiedenste Beiträge ganz verschiedener Autoritäten, die zu ganz verschiedenen Ergebnissen kommen. Der ägyptische Großmufti Scheich Shakwi Allam stuft Kryptowährungen beispielsweise unter anderem deshalb als „unrein“ ein, weil sie ihm für eine Eigentumseigenschaft nach dem Koran („Mal“) als zu wenig gegenständlich erscheinen. Möglicherweise auch deshalb, weil man dieses Argument auch bezüglich Giralgeld vorbringen könnte, nennt er zusätzlich die Bedeutung für illegale Geschäfte, die Bitcoins seiner Wahrnehmung nach haben.

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