Kopftuchdebatte an der Frankfurter Uni: Nicht muslimisch genug?


An der Goethe-Universität Frankfurt/M. kam es in der vergangenen Woche zum Eklat. Bei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Die Verschleierung: Modeaccessoire, ein religiöses Symbol oder ein politisches Instrument?“ gab es Proteste einer Gruppe „Studis gegen rechte Hetze“, die mit Anzeigen wegen Körperverletzungen endeten.

Frank Nicolai | hpd.de

Naïla Chikhi. Foto: ©Evelyn Frerk

Die Podiumsdiskussion, zu der die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes eingeladen hatte und an der der Stadtverordnete Uwe Paulsen (Grüne), die Autorin Naïla Chikhi sowie die Publizistin Ingrid König teilnahmen, wurde von etwa 20 bis 30 Personen massiv gestört. Nach Medienberichten störten die Protestierer, die sich zur Gruppe „Studis gegen rechte Hetze“ bekannten, mit Plakaten, Zwischenrufen und Redebeiträgen. Die Veranstaltung musste unterbrochen werden. Dadurch heizte sich die Stimmung derart auf, dass es zu mehreren Rangeleien kam und die Polizei gerufen werden musste.

Die „Studis gegen rechte Hetze“ teilten hinterher in einer Erklärung (liegt der Redaktion vor) mit, sie hätten mit ihrer „Performance“ auf die „Gefährlichkeit und Funktion der sogenannten Kopftuch-Debatte“ aufmerksam machen wollen. Ihrer Meinung nach habe „die laufende ‚Kopftuch-Debatte‘ […] die Ausgrenzung und Stigmatisierung muslimischer Menschen zur Folge.“ Sie verglichen die Kopftuchdebatte mit dem Terror des NSU. Fatma Keser, AStA-Referentin und Moderatorin des Abends, sagte der Frankfurter Rundschau, das „sei für sie eine Relativierung rassistischen Terrors.“

Das Journal Frankfurt berichtet: „Zu Beginn der Diskussion seien im Zuschauerraum mehrere Menschen aufgestanden, hätten Schilder hochgehalten mit Aufschriften wie: ‚Das Problem heißt Rassismus, nicht Kopftuch‘ […]. Die Kulturwissenschaftlerin Naïla Chikhi habe mit den Demonstrantinnen und Demonstranten diskutieren wollen, diese hätten aber nicht auf das Angebot reagiert.“

In einer Stellungnahme in der Tageszeitung Die Welt1 beschreibt Naïla Chikhi die Situation. Sie erklärt, dass das Kopftuch für sie ein Symbol sei, eine „Uniform des Islamismus, ein Instrument der Knechtung der Frau, ein Mittel zur Durchsetzung zweier Formen von Apartheid. Zum einen der Geschlechterapartheid (denn Frauen und Männer unterliegen unterschiedlichen Regeln), zum anderen einer Kategorisierung der Frauen in sittsame, anständige und in unanständige, sexuell zur Verfügung stehenden Frauen.“

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