Hannah Arendt über Juden: Rigorose Urteile waren ihr geläufig


Guter Zugang zu einer oft provokanten Autorin, die ein „Denken ohne Geländer“ praktizierte: Ein Band mit Texten von Hannah Arendt über Juden und das Judentum.

Alexander Gallus | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Scharfen Kontroversen wich sie nicht aus: Hannah Arendt in den sechziger Jahren. Bild: Getty

An Karl Jaspers schrieb Hannah Arendt 1946, sie habe nicht davon „abgelassen“, sich „historisch und politisch von der Judenfrage her zu orientieren“. Diese Ausrichtung traf insbesondere auf ihre während der vierziger Jahre verfassten Texte zu: ein reichhaltiges Essaywerk, das Marie Luise Knott und Ursula Ludz nun in einer klug komponierten Edition von 21 Texten, davon fünf erstmals auf Deutsch publiziert, versammelt haben.

Der erste Hauptteil bündelt solche Stücke, die „für ein neues kulturelles Selbstbewusstsein“ stehen und in denen Arendt überwiegend geistesgeschichtlich argumentiert. Das zweite Großkapitel trägt ihre Traktate „für ein neues politisches Selbstbewusstsein“ zusammen und dokumentiert ihre Positionsbestimmung im Spannungsfeld von Zionismus und jüdischer Existenz in der Diaspora. Im dritten Abschnitt finden sich Arendts Überlegungen „zur Erforschung des Holocaust“. Ein Prolog über „Aufklärung und Judenfrage“ von 1932 und ein Epilog über „Persönliche Verantwortung unter diktatorischer Herrschaft“ von 1964 rahmen die Anthologie ein.

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