«Warum spricht man Muslimen automatisch ab, demokratische Werte zu vertreten?»


Nachdem kürzlich ein Muslim wegen Gegenwinds in der eigenen Partei seine Bürgermeisterkandidatur zurückgezogen hat, wird über die Offenheit der CSU debattiert. Nun hat sie doch noch ihren Vorzeigemuslim bekommen. Der empfindet manche seiner Parteigenossen als sehr unchristlich.

Stephanie Lahrtz | Neue Zürcher Zeitung

Ozan Iyibas, Bürgermeisterkandidat der CSU in Neufahrn, ist der erste muslimische Bürgermeisterkandidat seiner Partei.  Lino Mirgeler/DPA

Ozan Iyibas ist ein Mannsbild, wie man sich einen bayrischen Kommunalpolitiker landläufig so vorstellt: grosse und etwas barocke Statur, oberbayrischer Zungenschlag. Er begrüsst einen mit offenem, breitem Lachen und festem Handschlag. Sein ganzes Leben hat er in Neufahrn, einer Stadt mit 20 000 Einwohnern zwischen München und dem Flughafen, verbracht, CSU-Mitglied ist er seit 2007. Klar, dass so einer irgendwann Bürgermeisterkandidat wird.

Alevit mit deutschem Pass

Aber Iyibas ist Muslim. Und dass ein Nichtchrist Mandatsträger wird für die CSU, die Christlichsoziale Union, ist alles andere als banal. Anfang Januar verhinderte in Wallerstein in Bayrisch-Schwaben die lokale CSU-Truppe, dass ein Muslim, langjähriger Fussballjugendtrainer und Ehepartner einer Katholikin, Bürgermeisterkandidat ihrer Partei wurde. Man sei halt noch nicht so weit, hiess es zur Begründung.

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