Wo die Niederlande der Kirche in Deutschland voraus sind: Kirche nach dem „Ikea-Prinzip“?


Das Bistum Münster plant einen groß angelegten Stellenabbau – das Haushaltsdefizit wächst, die Katholikenzahlen nehmen ab. Das Erzbistum Utrecht in den Niederlanden ist einen Schritt weiter – und beschäftigt 25 Angestellte im Generalvikariat.

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: 650 Mitarbeiter gibt es in der kirchlichen Verwaltung des Bistums Münster. In Köln ist es ähnlich. Wie viele Mitarbeiter stehen denn dem Erzbischof von Utrecht zur Verfügung?

Prof. Dr. Jan Loffeld (Professor für praktische Theologie in Utrecht und Priester des Bistums Münster): Zurzeit beschränkt sich die Kurie auf 25 Leute in dem, was wir im Generalvikariat, im Offizialat, in der Bildungsverwaltung haben – und es scheint irgendwie zu funktionieren. Allerdings ist die Zuordnung zwischen Bistumsverwaltung und Pfarreien in Holland nochmal eine andere. Viel Verwaltung liegt auch in ehrenamtlichen Händen in den Pfarreien.

DOMRADIO.DE: Nun hat der Niedergang volkskirchlicher Strukturen in den Niederlanden schon viel eher begonnen, als in Deutschland. Ist die gegenwärtige Situation dort, auch in den kirchlichen Strukturen, zukunftsweisend für das, was auch uns hier in Deutschland erwartet?

Loffeld: Man muss bei Prognosen immer vorsichtig sein. Soziologen sind sehr verhalten, wenn es um Zukunftsprognosen geht. Allerdings: Wenn man in die Vergangenheit schaut, wenn man Kirchenbesucher oder Ein- und Austrittszahlen anschaut, dann sieht man sehr deutlich einen Rückgang, der hier schon viel krasser ist. Aus 300 Pfarreien hat man im Bistum Utrecht beispielsweise vor 11 Jahren 50 Pfarreien gemacht, mit jeweils zehn Kirchen, in der nur noch in einer Kirche regelmäßig und sicher Eucharistie gefeiert wird. In den anderen Kirchen – soweit das geht, soweit Leute kommen, soweit Leute das machen möchten, gibt es sogenannte Wort- und „Kommuniefiering“, also Wortgottesdienste mit Kommunionfeier. Aber auch da geht die Zahl der Besucher dieser Feier zurück und auch derjenigen, die das tragen möchten.

weiterlesen