Alte Impfung weckt neue Hoffnung bei der Tuberkulose


Forscher machen eine erstaunliche Entdeckung: Wird der BCG-Impfstoff gegen den Tuberkuloseerreger anders als bisher verabreicht, kann damit bei Rhesusaffen eine sensationelle Schutzwirkung erzielt werden. Lässt sich damit die Seuche endlich bekämpfen?

Alan Niederer | Neue Zürcher Zeitung

Ältere Semester werden sich noch an die Tuberkuloseimpfung in den Oberarm und die damit verbundene auffällige Narbe erinnern. Die Impfprogramme wurden hierzulande allerdings schon vor Jahren gestoppt. Denn wie in den meisten westlichen Wohlstandsländern ist die Tuberkulose (Tb) auch in der Schweiz kein grosses Thema mehr. So erkranken bei uns jährlich nur noch weniger als 10 Personen pro 100 000 Einwohner an Tb. Das ist global gesehen ganz anders (vgl. Karte). Da ist die uralte Menschheitsgeissel immer noch die Infektionskrankheit, die am meisten Menschenleben fordert. Allein 2018 waren es geschätzt 1,5 Millionen Tote bei rund 10 Millionen Neuerkrankungen.

Das ist umso erstaunlicher, als es gegen Tb einen Impfstoff gibt. Und das schon seit hundert Jahren. 1921 führten die beiden Franzosen Albert Calmette und Camille Guérin ihre Vakzine in die Medizin ein. Dabei handelt es sich um ein abgeschwächtes Bakterium, das vor allem bei Rindern Tuberkulose auslöst (Mycobacterium bovis). Bis heute ist dieser als Bacillus Calmette-Guérin (BCG) bezeichnete Bakterienstamm der einzige gegen Tb zugelassene Impfstoff. Nach Schätzungen sind bis heute eine Milliarde Personen damit immunisiert worden.

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