Alzheimer-Forschung: Der Keim des Vergessens


War die Alzheimer-Forschung Jahrzehnte auf dem Holzweg? Eine bislang wenig beachtete These zu den Ursachen macht Hoffnung auf die ersten wirksamen Medikamente.

Nike Heinen, Veronika Szentpétery-Kessler | heise online

MRT des Gehirns(Bild: Shutterstock)

Im Mittelpunkt der bisherigen Alzheimer-Forschung stehen β-Amyloide. Das sind Proteine, die entstehen, wenn ein bestimmtes Protein der Zellmembran zerschnitten wird. Der Stoff ist verdächtig, weil er sich in den „Plaques“ befindet – Klumpen aus Amyloid und allerlei Zelltrümmern, die sich zwischen den sterbenden Nervenzellen von Alzheimer-Patienten anhäufen. Bisher wurden viele hundert Milliarden Euro für die Entwicklung von Impfstoffen gegen diese Ablagerungen ausgegeben. Allerdings scheiterten alle bisherigen Studien.

Inzwischen halten einige Forscher dies für einen Irrweg – sie vermuten die Ursache der Alzheimer-Erkrankung in einer Infektion. „Als Spätfolge der Infektion könnte eine Kaskade von Entzündungsreaktionen in Gang kommen, wie wir sie bei Alzheimer um die Nervenzellen beobachten“, sagt Robert Moir, Neurologe an der Harvard Medical School in Boston. Er brachte in seinem Labor schon 2010 direkt Infektionen und Alzheimer-Plaques miteinander in Verbindung.

Nicht nur Forschungsgruppen, auch erste Firmen nehmen chronische Infektionen ins Visier. Das Startup Cortexyme aus South San Francisco setzt auf den weitverbreiteten Parodontitis-Erreger Porphyromonas gingivalis als Hauptschuldigen. Porphyromonas gingivalis gilt als wichtigster Auslöser von Parodontitis, seine Abfallprodukte lassen das Immunsystem des Zahnhalteapparates angreifen. Er fühlt sich allerdings nicht nur in der Mundhöhle wohl und findet sich auch in Gehirnproben verstorbener und in der Rückenmarksflüssigkeit lebender Alzheimer-Patienten.

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