Wie sich die in China grassierende Seuche weiterentwickeln wird, hängt massgeblich von zwei Faktoren ab: von der Übertragbarkeit des Virus und dem Schweregrad der verursachten Erkrankung. Vieles deutet darauf hin, dass es nicht so dramatisch wird.
Alan Niederer | Neue Zürcher Zeitung

Je mehr Zeit seit dem Ausbruch des neuen Coronavirus in China verstreicht, desto mehr Informationen gibt es über den Erreger. Damit lässt sich auch immer besser die weitere Entwicklung der Seuche abschätzen. Dabei sind zwei epidemiologische Kenngrössen matchentscheidend: die Übertragbarkeit des Virus und seine Gefährlichkeit (Pathogenität) für den Menschen.
Wenn man davon ausgeht, dass Übertragbarkeit und Pathogenität gering oder hoch sein können, dann gibt es vier mögliche Kombinationen für das neue Coronavirus. Von diesen dürften nach derzeitiger Datenlage zwei im Vordergrund stehen:
Szenario 1: milde Erkrankung, aber einfache Übertragung
Bei diesem Szenario gibt es deutlich mehr Infizierte als bisher angenommen. Denn viele Personen haben keine oder nur milde Symptome und gehen deshalb nicht zum Arzt. Die Eindämmung einer solchen Seuche ist naturgemäss schwierig, da «unsichtbare» Übertragungsketten kaum zu unterbinden sind. Ein Beispiel für dieses Szenario ist die letzte Grippepandemie von 2009/10. Trotz weltweiten Anstrengungen gelang die Eindämmung nicht; das pandemische Virus taucht seither jedes Jahr als saisonaler Grippe-Erreger auf.