Erneute Karikaturenkrise: China gegen die Jyllands-Posten


In der Montagsausgabe der dänischen Zeitung „Jyllands-Posten“ wurde nach der chinesischen Botschaft in Kopenhagen die Grenzen der Meinungsfreiheit überschritten

Jens Mattern | TELEPOLIS

Die für China anstößige Karikatur. Screenshot von Jyllands-Posten

Als Karikatur wurde die chinesische Flagge umgeändert – die fünf Sterne durch gelbe Visualisierungen von Viren ersetzt. Die Anspielung auf den Corona-Virus, der in China über 100 Menschen das Leben gekostet hat und sich weltweit ausbreitet, quittierte die chinesische Seite mit einer Forderung nach Entschuldigung der Zeitung und des Zeichners Niels Bo Bojesen.

Das Bild sei „eine Beleidung gegenüber China und verletze die Gefühle der Chinesen“, heißt es in einer offiziellen Verlautbarung. Doch die Zeitung denkt nicht daran, sich zu entschuldigen. Chefredakteur Jacob Nybroe erklärte: „Wir hatten nicht die Absicht, etwas herabzusetzen oder zu verspotten.“ Er sieht die Aufregung in durch unterschiedliche Kulturverständnisse verursacht.

Erreicht hat China bislang das Gegenteil: Aufgrund des diplomatischen Drucks prangt nun die Viren-Flagge in den Online-Portalen der dänischen Medien an oberster Stelle und macht auch international die Runde.

Wie Politiker anderer dänischer Parteien wies die sozialdemokratische Regierungschefin Mette Frederiksen Chinas Forderungen am Dienstag zurück. Gegenüber der Online-Ausgabe der Jyllands-Posten verwies sie auf die starke dänische Tradition „nicht nur in Bezug auf die Meinungsfreiheit, sondern auch in Bezug auf Satirezeichnungen“. Eine deutliche Anspielung auf die Mohammed-Karikaturen, die die als eher rechts geltende Zeitung 2005 abdruckte, was zu Protesten in der muslimischen Welt bis hin zur Zerstörung von dänischen Botschaften führte.

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