Schwarmverhalten bei Ameisen: Das Kollektiv fackelt nicht lange


Ameisen sind ein gut organisiertes Volk und bei der Suche eines Quartiers manchmal sehr wählerisch. Die Begutachtung übernehmen findige Kundschafter. Die Entscheidung trifft dann schnell das Kollektiv.

Diemut Klärner | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Kommunikation ist das halbe Ameisenleben. Und deshalb werden Entscheidungen oft auch erst nach Absprachen getroffen. Bild: Science Photo Library

Ob Geburtstagsgeschenk oder Jobsuche – sich zu entscheiden fällt besonders schwer, wenn annähernd Gleichwertiges zur Auswahl steht. Selbst unter Zeitdruck braucht man dann länger als bei qualitativ sehr unterschiedlichen Angeboten. Rational ist das nicht: Eigentlich sollte man weniger Zeit investieren, wenn sich die Optionen nur wenig unterscheiden. Schließlich sind die Konsequenzen einer Fehlentscheidung entsprechend gering. Ein Ameisenstaat scheint das zu berücksichtigen. Jedenfalls haben Wissenschaftler um Benjamin Stott von der University of Oxford beobachtetet, dass sich ganze Ameisenvölker in solchen Fällen rationaler verhalten als das von Zweifeln geplagte Individuum.

Ihr Forschungsobjekt war die Ameisen-Spezies Temnothorax albipennis. Diese nur etwa drei Millimeter großen Ameisen nisten sich mit ihren kleinen Völkern in waagerechten Felsspalten ein. Da ihnen eine Raumhöhe von einem knappen Millimeter genügt, mangelt es vielerorts nicht an passenden Quartieren. Oft erweist sich solcher Wohnraum aber als wenig dauerhaft. Zerbröckelt die steinerne Bleibe, muss sich das betroffene Ameisenvolk schleunigst eine neue suchen.

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