Nach Boris Johnson reitet Großbritannien in einen heroischen Sonnenaufgang


Am 31. Januar verlässt Großbritannien die EU. Während dieser Vorgang in Brüssel ohne großes Klimbim ablaufen soll, plant Boris Johnson eine Party, Ansprachen an das Volk und ähnliche Erbauungen. Eine neue 50 Pence-Münze wurde hergestellt, um auch zukünftige Generationen an dieses historische Datum zu erinnern. Nach drei Jahren zäher Verhandlungen mit der EU ist nun alles gut. Großbritannien reitet in einen heroischen Sonnenaufgang, eine große Zukunft steht dem Land bevor. Wie im Märchen.

Christian Bunke | TELEPOLIS

Zur Feier des Brexit gibt es eine 50-Pence-Münze. Bild: Treasury/Open Government Licence v3.0

Soweit die offizielle Botschaft. In Wirklichkeit weiß Premierminister Boris Johnson natürlich, dass es mit dem Brexit alles andere als vorbei ist. Wenn die Menschen Großbritanniens am Montag aufstehen, werden ihnen am Arbeitsweg dieselben Probleme und Schwierigkeiten begegnen wie schon die vergangenen Jahre auch: Veraltete und überlastete Busse und Züge werden sich verspäten, Obdachlose werden in den Türen leerstehender Ladenzeilen lagern, hohe Mieten werden trotz Job, aber wegen niedriger Löhne zu Monatsende vielleicht nicht bezahlt worden sein, es sei denn man hat zu horrenden Raten einen Kurzzeitkredit aufgenommen.

Johnson weiß, dass er nun liefern muss. Im Wahlkampf hat er versprochen, dem Land durch den Brexit mehr Krankenhäuser und mehr Investitionen in die marode Infrastruktur zu liefern. Um symbolisch zu beweisen, dass er nicht vergessen hat, will er das Regierungskabinettstreffen am Brexit-Tag im englischen Norden abhalten – dort, wo die britischen Konservativen 50 Sitze mit dem Slogan „get Brexit done“ gewonnen haben.

Mit dem EU-Austritt Großbritanniens beginnt der eigentliche Härtetest für Johnsons Regierung. Er muss nun Handelsverträge mit verschiedenen Großmächten aushandeln, die alle aus unterschiedlichen Gründen auf den britischen Markt schielen. EU und USA haben die Woche vor dem Brexit-Vollzug genutzt, um schon einmal Forderungen zu platzieren – Forderungen, die der britischen Regierung das Leben schwer machen werden.

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