Türkische Schulen: Wer braucht schon die Evolutionstheorie?


Die Türkei gedenkt drei Schulen in Deutschland zu bauen – Privatschulen mit einem an das türkische Bildungssystem angelehnten Lehrplan.

Birgit Gärtner | mena-watch

Auslandsschulen sind an sich kein Problem, auch Deutschland unterhält eigene Schulen im Ausland, z. B. in der Türkei. Problematisch ist allerdings, wenn sie als Privatschulen gelten, den Lehrplan eigenständig gestalten können – und eine fragwürdige politische Agenda verfolgen. Jedenfalls bei einem Staat, der die Evolutionstheorie aus seinem Lehrplan gestrichen hat und über die Ausbildung von Kindern Einfluss auf unsere Gesellschaft nehmen bzw. Kinder im Ausland an sich binden und islamisch indoktrinieren will, und bei dem sich die Gesetzeslage sukzessive in Richtung Legalisierung von Kinderehen entwickelt. Zumal der türkische Staat auch via DITIB, der deutschen Tochter der Religionsbehörde DIYANET, Inhalte von Koran- und Sprachunterricht beeinflusst.

Früh übt sich

Dass eine nachhaltige Entwicklung einer Gesellschaft am ehesten funktioniert, wenn in Bildung investiert wird, das wusste schon der ehemalige Erdogan-Verbündete Fetullah Gülen. Allerdings heißt Bildung in dem Zusammenhang Beeinflussung im islamischen Sinne. Gülens Ziel war es, eine islamisch gebildete Elite zu schaffen, die den Staat – Behörden, Wissenschaft, Medien, Justiz, Polizei und Militär – unterwandert, „rechtgeleitet“ lenkt und schließlich die Trennung zwischen Staat und Religion aufhebt.

Nicht nur in der Türkei, sondern laut eines Berichts des „Geheimdienstes MIT, aus dem türkische Medien zitieren, betrieb die Gülen-Bewegung 2017 in etwa 100 Ländern 767 gebührenpflichtige Schulen und Universitäten“, schreibt die Süddeutsche Zeitung (SZ). Das war im Sinne des jetzigen türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoǧan – solange Fetullah Gülen zu seinen engsten Verbündeten zählte. Was schließlich zum Zwist zwischen den beiden führte, darüber gibt es unterschiedliche Erzählungen. Letztlich war es vermutlich lediglich der Kampf um die Macht, den Erdoǧan bekanntermaßen gewann. Die Krönung dieses Zwists stellt die Beschuldigung dar, Fetullah Gülen sei der Drahtzieher hinter dem Putschversuch vom 21. Juli 2016. Damit sind die Rollen klar verteilt: Fetullah Gülen der Missetäter, Recep Tayyip Erdoǧan das arme Opfer.

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