Das Bundesverdienstkreuz für Mario Draghi ist die falsche Auszeichnung und eine Verhöhnung der deutschen Sparer


Die Verleihung einer der höchsten Auszeichnungen Deutschlands an den früheren EZB-Präsidenten Draghi zeugt von mangelnder Sensibilität des Bundespräsidenten und einer Entfremdung von Politik und Bürgern. Es hätte bessere Preise für Draghi gegeben.

Michael Rasch | Neue Zürcher Zeitung

Soll den Euro gerettet haben: Mario Draghi. Imago

Mario Draghi hat am Freitag das Grosskreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen bekommen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier begründete die hohe Auszeichnung damit, dass der frühere Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) während der europäischen Staatsschuldenkrise den Euro gerettet habe. In der Tat dürfte der Italiener zu Beginn seiner Amtszeit mit seiner Ansage, die EZB werde (angeblich im Rahmen ihres Mandats) den Euro um jeden Preis erhalten («whatever it takes»), die Euro-Zone in ihrem damaligen Mitgliederbestand zusammengehalten haben.

Es ist allerdings nicht das Mandat der EZB, die Zusammensetzung der Euro-Zone zu erhalten, zu bestimmen oder zu gewährleisten. Dies ist eine politische Aufgabe. Sicherlich haben die Politiker in den Ländern der Euro-Zone Mario Draghi damals alleine im Regen stehen lassen, so dass er sich zur massiven Intervention gezwungen sah. Mit seinem durchaus mutigen Handeln hat er allerdings zugleich den Druck und die Verantwortung von Europas politischer Klasse genommen, sich an die Regeln der Verträge zu halten und entstehende Probleme politisch zu lösen. Draghi hat sich damit zum Komplizen einer unzureichend konstituierten Währungsunion machen lassen. Die Folgen dessen im Sinne einer Geringschätzung der Europäischen Verträge durch die Politik sind bis heute zu spüren.

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