Erdogans Mare Nostrum?


Bedrängt von einer schweren Wirtschaftskrise und ermuntert durch das Appeasement der Bundesregierung, geht die Türkei im östlichen Mittelmeer auf Konfrontationskurs

Tomasc Konicz | TELEPOLIS

Bild: ESA/NASA-A.Gerst

Die geopolitischen Spannungen im östlichen Mittelmeer nehmen rasant zu. Vor wenigen Tagen kündigte Frankreich an, Kriegsschiffe in die Region zu verlegen, in der große Vorkommen fossiler Energieträger vermutet werden. Im östlichen Mittelmeer sollen rund 3,5 Billionen Kubikmeter Erdgas und 1,7 Milliarden Barrel Erdöl lagern. Mit dem militärischen Manöver reagiert Paris auf die zunehmenden Drohgebärden der Türkei, die weitgehende Ansprüche auf Teile der exklusiven Wirtschaftszonen von den Mittelmeeranrainern Griechenland, Zypern oder Ägypten erhebt.

Griechenlands konservativer Premier Kyriakos Mitsotakis begrüßte die Verlegung mehrerer französischer Fregatten in griechische Gewässer umgehend, da sie eine „Garantie für Frieden“ in der Region darstellten. Macron sprach in diesem Zusammenhang von einem neuen Rahmenwerk einer „strategischen Verteidigung“ beider Länder, das nun aufgebaut würde. Diese griechisch-französische Allianz richtet sich gegen Ankara, sie stellt laut dem britischen Guardian einen Versuch dar, der zunehmenden „türkischen Streitlust im Mittelmeer“ entgegenzuwirken. Der griechische Verteidigungsminister Nikos Panagiotopoulos warnte kürzlich gar vor militärischen Auseinandersetzungen, sollte die Türkei ihr „ungewöhnlich provokatives Verhalten“ nicht einstellen.

Paris verlegt zugleich den Flugzeugträger Charles De Gaulle in die Region – und zwar ausgerechnet ins Zentrum des Konflikts, in den Hafen von Limassol in Zypern. Der Einsatz des nuklear angetriebenen Flaggschiffs der französischen Marine erfolgt rein formell im Rahmen des Antiterror-Einsatzes in Syrien, doch scheint das Manöver tatsächlich ein eindeutiges Signal an Ankara darzustellen, das in zypriotischen Gewässern nach Erdgas bohren lässt.

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