Marseille: Festnahme eines Jaish-al-Islam-Anführers mit Erasmus-Visum


Dem Mann wird Beteiligung an Kriegsverbrechen und Folter vorgeworfen. Lange Zeit galt die radikalislamische Salafisten-Miliz als „moderat“. Sie wurde stark von Saudi-Arabien unterstützt

Thomas Pany | TELEPOLIS

Jaish al-Islam-Kämpfer. Bild: Qasioun News Agency / CC BY 3.0

In Marseille wurde in der vergangenen Woche der frühere Sprecher der radikalislamistischen Miliz Jaisch al-Islam festgenommen. Der Fall Islam Alloush, so der Kampfname des Mannes, sein richtiger lautet angeblich Majdi Mustafa Nameh ist aus mehreren Gründen interessant.

Zum Beispiel, dass Islam Alloush für seinen Aufenthalt in Frankreich ein Eurasmus-Visum in der Tasche hatte war. Wie lange er mit diesem Studenten-Visum in Frankreich oder auch in anderen EU-Staaten untergetaucht war, gehört zu den vielen Fragen, die die Gerichtsverhandlung klären sollte.

Die Meldungen zur Festnahme, die am Mittwoch erfolgt ist, geben nur spärliche Informationen wieder. Man erfährt, dass sein Fall am gestrigen Freitag von einem Haftrichter geprüft wurde, und die Anklage auf „Folter sowie Beteiligung an Folter“, „Kriegsverbrechen“ und „Mittäterschaft bei gewaltsam erzwungenem Verschwinden von Personen“ lautet.

Vorgebracht hat dies die französische Staatsanwaltschaft die für Antiterror-Fälle (Parquet national antiterroriste – PNAT) zuständig ist. Gefasst wurde der Mann von einer Behörde mit einem sehr langen Titel: das Zentralamt für den Kampf gegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Genozide und Kriegsverbrechen (Office central de lutte contre les crimes contre l’humanité, les génocides et les crimes de guerre – OCLCHGCG), die mit der Gendarmerie verbunden ist, genauer mit der Eingreiftruppe der Nationalgendarmerie, deren Einsatzschwerpunkt der Terrorismus ist.

Das verrät dann schon ein gewisses Kaliber, dem man – seit wie lange schon? – auf der Spur war. Islam Alloush war bis zum Herbst 2016 Sprecher der Miliz Jaish al-Islam (Armee des Islam), die jahrelang zu den Herrschern im syrischen Ostghouta gehörte.

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