Die Kirche und die Juden: Ein Spannungsverhältnis seit 2.000 Jahren


Ketzer, Hexen, Kreuzzüge: In Kirchengeschichte und -gegenwart gab und gibt es immer wieder große Kontroversen. Diese beleuchten wir mit unserer neuen Serie. Der erste Teil analysiert das Verhältnis zum Judentum. Auch das war nicht immer einfach. Manche behaupten gar, die Kirche sei in ihrer DNA judenfeindlich.

Josef Bordat | katholisch.de

„Judentum und Christentum stehen für zwei Weisen der Auslegung der Schrift. Für Christen sind die Verheißungen an Israel die Hoffnung der Kirche. Wer daran festhält, stellt keinesfalls die Grundlagen des jüdisch-christlichen Dialogs infrage.“ Das schrieb der emeritierte Papst Benedikt XVI. im Dezember 2018 in der „Herder Korrespondenz“. Er sah sich zu dieser Klarstellung genötigt, weil ihm zuvor Antijudaismus vorgeworfen wurde. Historische Klischees sorgten für die Aktualisierung des Vorwurfs, die Kirche sei eben doch in ihrer DNA judenfeindlich.

Das Christentum als „Usurpationsmythos“

Aufgegriffen wird dieser Vorwurf vom Judaisten Hyam Maccoby, der den christlichen Antijudaismus mit der Abgrenzungsbemühung der jungen Kirche begründet. Das Christentum ist für Maccoby ein „Usurpationsmythos“, der Teile der jüdischen Religion übernahm, sich zugleich jedoch als Vollender der Geschichte Gottes mit dem Menschen begriff und sich daher hasserfüllt gegen das zur Propädeutik herabgestufte Judentum wandte (ähnliches gelte dann später auch für den Islam, so Maccoby).

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