Sind Krankheiten auch eine Strafe Gottes?


Das neuartige Coronavirus verbreitet sich weltweit und fordert Menschenleben. Und viele stellen die Frage nach dem „Warum“? Früher sah man Krankheiten auch als Strafe Gottes. Der Moraltheologe Peter Schallenberg klärt auf.

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: Gibt es eine religiöse Dimension von Krankheiten?

Monsignore Peter Schallenberg (Professor für Moraltheologie an der Theologischen Fakultät Paderborn): Wir würden heute sagen: Krankheit und Leiden sind keine Sündenstrafen, sondern sind Ereignisse, die zum naturwissenschaftlichen Bereich des Menschen und unserer Welt gehören. Sie müssen mit naturwissenschaftlichen und technischen Mitteln bewältigt werden und haben unmittelbar mit dem Bereich des Glaubens nichts zu tun.

DOMRADIO.DE: Im Alten Testament gibt es zehn biblische Plagen. Sind die denn gottgewollt?

Schallenberg: Das ist eine Bildrede, sagen wir heute. Gottgewollt sind sie nur im allerweitesten Sinn – dass Gott zulässt, dass diese Welt auch Plagen, Krankheiten und Epidemien hat. Wir sagen heute, es ist eine Aufgabe an die Vernunft des Menschen, das zu bewältigen. Gott lässt die Schöpfung zu. Insofern sind es von Gott zugelassene Plagen. Als gottgewollte Plagen würden wir sie heute nicht mehr formulieren.

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