Eine Jugendliche in Frankreich beleidigt auf Instagram den Islam und fürchtet seither um ihr Leben


Eine Justizministerin zeigt Unsicherheit über die Rechtslage und bringt die Regierung in Verlegenheit. Und Frankreich diskutiert einmal mehr aufgeregt über sein Verhältnis zur Religion.

Nina Belz | Neue Zürcher Zeitung

Seit Tagen reden Politiker und Journalisten über sie. Doch Mila, eine 16-jährige Gymnasiastin aus dem Département Isère, war derweil komplett untergetaucht. Sie geht nicht mehr zur Schule und hat alle ihre Social-Media-Profile gelöscht. Mila fürchtet um ihr Leben. Am Montagabend hat sie sich zum ersten Mal öffentlich zu ihrem Instagram-Auftritt geäussert, der ihrem Leben «eine Pause versetze». Im Gespräch mit einem Fernsehjournalisten sagte sie, sie bereue dessen Vulgarität, aber nicht die Aussagen an sich. Diese seien wirklich das, was sie denke. Sie habe nicht die Absicht gehabt, jemanden persönlich zu verletzen, aber sie habe über Religion lästern wollen. Auf diesem Recht bestehe sie.

Mord- und Vergewaltigungsdrohungen

Vor rund zwei Wochen hatte sich Mila auf Instagram auf einen Live-Chat eingelassen. Dort soll sie von einem männlichen Follower wegen ihrer Homosexualität beleidigt worden sein, worauf sie sich negativ und mit derben Worten über Religion an sich und über den Islam im Besondern äusserte. Dass der Islam «scheisse» und der Koran «voller Hass» sei, gehörte dabei zu den harmlosen Sätzen. Mila fügte hinzu, dass sie selbst nicht rassistisch sei. Sie sage, was sie denke. Das Video, das nach 24 Stunden verschwindet, verbreitete sich in Windeseile auf den sozialen Netzwerken. Angaben über Milas Wohnort und ihre Schule wurden veröffentlicht, ihrer Person mit Mord und Vergewaltigung gedroht. Die Jugendliche reichte Klage ein. Die Justiz eröffnete am 23. Januar allerdings zwei Untersuchungen: eine die Drohungen betreffend, eine gegen die 16-Jährige wegen Anstachelung zum Hass.

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