Jonathan Franzen zum Klima: Die edlen Milden

Bild von Jean Luc Krogmann auf Pixabay

  • In seinem jüngsten Essay schreibt Jonathan Franzen, dass wir uns damit abfinden sollten, dass die Klimakatastrophe nicht mehr abzuwenden sei.
  • Viele werfen ihm deshalb Zynismus und Egoismus vor.
  • Franzen ist jedoch einfach Realist und entwirft aus der Tatsache der anstehenden Erderwärmung eine Ethik des Trotzdem.

Alex Rühle | Süddeutsche Zeitung

Wenn alles stimmen würde, was momentan über Jonathan Franzen gezetert und geschimpft wird, dann wäre der amerikanische Autor zynischer Defätist, verantwortungsloser Generationsegoist sowie Klimawandelhysteriker und -leugner in einem. Wenn umgekehrt alles stimmen würde, was Jonathan Franzen über Klimaaktivisten schreibt, dann wären diese selbstgerechte Puritaner, Umweltignoranten und unlautere Medienprofis, die allesamt wider besseres Wissen immer noch so tun, als ob man den Kampf gegen den Klimawandel gewinnen kann. Wer sich still über den ganzen Lärm wundert und wissen möchte, wie es zu diesem überraschenden Frontverlauf kam, der kann nun in einem Rowohlt-Bändchen zumindest so etwas wie Ursachenforschung betreiben.

Franzen veröffentlichte 2015 einen Essay, in dem er erstmals die Dichotomie zwischen „Klimaaktivisten“ und „Umweltschützern“ aufmachte. Schon die Wortwahl zeigt, auf wessen Seite der begeisterte Hobbyornithologe steht: Aktivisten sind ja gern mal hitzig und aggressiv, wer etwas schützt, ist hingegen sanftmütig bewahrend und selbstlos. Franzen legte nach in Texten, in denen er die Klimaaktivisten als apokalypsegeile, schuldzerfressene Puritaner zeichnete, die immer nur auf die kohleschwarze Zukunft starren, wohingegen die Umweltschützer im Hier und Jetzt Konkretes tun, indem sie sich für Wiesen, Wale oder wie in seinem Fall Vögel einsetzen. Bisheriger Abschluss dieser Texte war ein Essay im New Yorker, der nun auf Deutsch erscheint, angereichert durch ein Interview mit dem Welt-Redakteur Wieland Freund.

weiterlesen