Wenn Politiker zu Heiligenfiguren werden


Evangelikale wie konservative Katholiken in den USA sehen Präsident Donald Trump als ein Instrument Gottes an. Folglich ist es ihnen egal, wie gut untermauert die Anschuldigungen der Gegner über sein Fehlverhalten sind.

Ian Buruma | Die Presse

Charles Carroll aus Carrollton (Maryland) war der einzige Katholik, der 1776 die Unabhängigkeitserklärung unterzeichnete. Obwohl er einer der Gründerväter war, war es ihm als Katholiken nicht gestattet, ein öffentliches Amt auszuüben. Dies änderte sich erst 1789, als die Verfassung es dem Kongress untersagte, eine Staatsreligion einzuführen und die Religionszugehörigkeit als Ausschlusskriterium für Bewerber um ein öffentliches Amt abgeschafft wurde.

Nicht alle waren über diese Trennung von Kirche und Staat glücklich. Thomas Jefferson wurde von einigen als gefährlicher Ungläubiger angegriffen. Und viele religiöse Eiferer glaubten, dass – falls Jefferson zum Präsidenten gewählt würde – die Religion in Amerika sterben würde. Bis heute würden viele die Religion gern wieder in den Mittelpunkt des öffentlichen und politischen Lebens der USA stellen. Dies ist vermutlich, was US-Justizminister William Barr, ein erzkonservativer Katholik, meinte, als er „Säkularisten“ eines „Anschlags auf Religion und traditionelle Werte“ beschuldigte.

weiterlesen