Deutschland finanziert türkische Besatzungszone in Nordsyrien


Deutschlands Support für Erdogan geht in die nächste Runde. Es ist kaum mehr als eine Woche her, als die Kanzlerin bei ihrem Besuch in Ankara der Türkei umfassende Unterstützung für Flüchtlinge in Nordwest-Syrien zusagte.

Elke Dangeleit | TELEPOLIS

Grafik: TP

Dabei nahm sie selbst ethnische Säuberungen und die Änderung der Demographie in Nord- und Ostsyrien durch die Ansiedlung arabischstämmiger, sunnitischer Syrer in den Gebieten der Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien durch die Türkei in Kauf.

In Nordwest-Syrien wird die katastrophale Lage der Flüchtlinge beklagt und in Nordost-Syrien totgeschwiegen. Ob Erdogan wohl Angela Merkel durch das Spieglein, dass er ihr beim letzten Besuch in Ankara überreichte, die deutsche Außenpolitik im Nahen Osten zuflüstert?

Das Auswärtige Amt gab am Dienstag bekannt, „weitere 25 Millionen Euro als Beitrag zur Bewältigung der humanitären Krise in der Region zur Verfügung zu stellen… Die jetzt zugesagten Mittel sollen insbesondere der Errichtung von Notunterkünften für Binnenvertriebene dienen, die vor den andauernden Kampfhandlungen in Richtung der türkisch-syrischen Grenze fliehen“. Mit den Geldern sollen nationale und internationale Partnerorganisationen Notunterkünfte errichten – aber nur im Nordwesten von Syrien.

Die gleiche Anzahl von Flüchtlingen, die aus Afrin, Ras al Ain (Sere Kaniye) oder Tell Abyad (Gire Spi) vor Erdogans Truppen in das Selbstverwaltungsgebiet in den Nordosten von Syrien geflohen sind und genauso hungern und frieren, geht leer aus.

Millionen für mafiöse Strukturen im AKP-Geflecht

„Nationale und internationale Partnerorganisationen“ hört sich im Text des Auswärtigen Amtes erst einmal plausibel an. Ein genauerer Blick auf die Empfänger des Geldsegens zeigt jedoch, dass das Geld in die Taschen des Erdogan-Clans und der AKP-Mafia wandert und damit letztendlich der Annexions-Politik Erdogans in Nordsyrien dient. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes nannte nämlich am vergangenen Freitag den Türkischen Roten Halbmond (türk.: Kızılay) als Empfänger.

Der soll auf syrischem Boden angeblich 25.000 Blockhäuser in der Provinz Idlib bauen. Der türkische Rote Halbmond ist als Hilfsorganisation vergleichbar mit dem Deutschen Roten Kreuz und sollte eigentlich eine seriöse Hilfsorganisation sein. Allerdings ist diese Organisation in eine schwere Korruptionsaffäre verstrickt.

Das berichtete Ende Januar die türkische oppositionelle Zeitung Birgün und veröffentlichte entsprechende Dokumente. Diese sollen belegen, dass der türkische Rote Halbmond acht Millionen US-Dollar an Spendengeldern veruntreute, indem er das Geld an die salafistische Ensar-Stiftung weiterleitete.

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