Die Kirche kommt nicht ohne Macht und Autorität aus


Die Diskussion um die Autorität ist in der katholischen Kirche nach wie vor hochaktuell. Doch gerade die, die mit allen Mitteln an ihr festhalten, leisten ihrem Dahinschwinden besonderen Vorschub, kommentiert Joachim Valentin.

Joachim Valentin | katholisch.de

„Die Autorität ist der Nullpunkt einer Reihe, etwas Originäres, aber auch etwas, das man unmöglich ‚haben‘ kann. Die Bestreitung der Autorität dagegen ist, selbst, wenn man ihr die Berechtigung abspricht, zunächst einmal eine Tatsache… Wer von uns hat das Recht, die Forderungen christlicher Gewissen zurückzuweisen, die Fragesteller mundtot zu machen und aus der öffentlichen Diskussion zu verbannen, so die Kirche der Veränderungen zu berauben, die um der Wahrhaftigkeit ihres Zeugnisses willen notwendig sind, und den Ausdruck authentischen Glaubens auf die Aussagen einiger weniger zu beschränken?“

So liest man nicht bei einem Kommentator des Synodalen Weges oder der jüngsten Personalveränderungen im Vatikan, sondern beim Lieblingsautor des regierenden Papstes Franziskus, dem französischen Jesuiten Michel de Certeau. „La faiblesse der croire“ („GlaubensSchwachheit“) heißt die 1987 auf Französisch und 2009 auf Deutsch erschienene Textsammlung, der das Zitat in einem bis heute höchst lesenswerten Text über christliche Autoritäten und soziale Strukturen entnommen ist. Dass ein Text, der vermutlich in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts entstanden ist, auf die heutige Situation immer noch passt, kann eigentlich nur melancholisch stimmen.

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