Kemmerichs Wahl ist eine Schande


Für FDP und CDU in Thüringen ist die Macht offenbar wichtiger als der Zusammenhalt der Demokraten. Sie haben sich an der Republik vergangen.

Detlef Esslinger | Süddeutsche Zeitung

Zum Hereinlegen gehören zwei: Einer, der jemanden hereinlegt – und einer, der sich hereinlegen lässt. Warum war der FDP-Politiker Thomas Kemmerich am Mittwoch in Erfurt im dritten Wahlgang angetreten? Vorher hatte er zu erkennen gegeben, nur dann als Kandidat einzusteigen, falls auch die AfD mit ihrem Bewerber in diesen Wahlgang gehe. Klang gut. In der Person Kemmerichs hätte es eine demokratische Alternative zum linken Amtsinhaber Bodo Ramelow gegeben – und zugleich eine, die nicht in Gefahr stand, von der AfD ins Amt gehievt zu werden. Die hatte ja ihren eigenen Kandidaten.

Was dann in der Realität passierte, hatte schon deshalb zumindest kein Außenstehender im Kalkül, weil es bisher noch in keiner Realität passiert war: dass eine Partei – in diesem Fall die AfD – ihren eigenen Kandidaten allenfalls zur Ablenkung im Wettbewerb ließ. Sie hatte gar nicht vor, ihn zu wählen – sondern sie stimmte geschlossen für den neuen Bewerber von der FDP. Plötzlich war Thomas Kemmerich Ministerpräsident. Wie hatte Björn Höcke, der Landes- und Fraktionsvorsitzende der AfD, zuvor über seine Partei, CDU und FDP gesagt: „Wir können so viel gemeinsam erreichen.“

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