Folter und Repression gegen Linke in Russland


Demnächst werden die Urteile gegen eine Gruppe von russischen Linken gefällt, die zum großen Teil in Haft gefoltert wurden. Leider findet der Fall bisher wenig Aufmerksamkeit in Deutschland

Peter Nowak | TELEPOLIS

In Berlin ist die Zahl der Ausstellungen und Galerien groß. Doch die dreitägige Exposition „Meiner Ausstellung getreu protokolliert“, die am vergangenen Montag endete, hat eine besondere Brisanz. Es war eine Solidaritätsausstellung mit einer Gruppe russischer Linker, die seit 2 Jahren als Terroristen stigmatisiert werden und offener Folter ausgesetzt waren.

Die Ausstellung war vorher in Petersburg zu sehen. Berlin war die einzige Station im Ausland. Zur Eröffnung waren auch Freunde und Angehörige der Angeklagten anwesend, die über einen Fall von Repression gegen Linke in Russland berichteten, der leider bisher wenig Aufmerksamkeit bekommen hat.

Zehn Aktivisten aus Sankt Petersburg und Pensa sind seit mehr als zwei Jahren in Haft, weil sie beschuldigt werden, an den Tätigkeiten einer angeblichen terroristischen Organisation namens „Set“ (dt. „Netzwerk“) teilgenommen zu haben. Sie wurden mit Elektroschocks gefoltert, zusammengeschlagen und moralischem und physischem Druck ausgesetzt, um sie so zu einem Schuldbekenntnis zu zwingen.

Die meisten Angeklagten bestreiten ihre Schuld und fordern, die Anwendung von Folter zu untersuchen. Die Exponate der Ausstellung drehten sich um diese Folter, die nicht nur in diesem Fall angewendet wird. Doch besonders eindringlich ist es, wie der Gefangene Viktor Filinkow darüber spricht, wie er bei der Folter zusammengebrochen war und weiter misshandelt wurde.

Er sitzt mit einem Mitgefangenen in einem Käfig im Gerichtssaal und hat 10 Minuten Zeit mit unabhängigen Journalisten zu sprechen. Er berichtet darüber, wie er mit Elektroschocks misshandelt wurde, so dass ihn sein gesamter Körper schmerzte und er die Schläge, die er zusätzlich bekommen hat, gar nicht mehr fühlte.

Auch die anderen Beschuldigten wurden ähnlich misshandelt, einige unterschrieben dann angebliche Geständnisse, dass sie sich im Sinne der Anklage terroristischer Aktivitäten schuldig gemacht haben. Sie haben diese Geständnisse später widerrufen und mitgeteilt, dass sie unter Folter erpresst wurden.

Um wen es sich bei den Angeklagten handelte, beschrieb die Taz-Journalistin Barbara Kerneck, die als fast einzige über die kleine Ausstellung in Berlin berichtet hat.

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