Am Cern beginnt die Zukunft, bevor die Gegenwart zu Ende ist


Der Large Hadron Collider in Genf ist der weltweit grösste Beschleuniger. In zwanzig Jahren soll er einem noch leistungsfähigeren Collider weichen. Aber welchem?

Christian Speicher | Neue Zürcher Zeitung

Ein technologisches Monster sei das. Allzu gut kommt der Teilchenbeschleuniger am Cern nicht weg im Film «Les Particules» des Westschweizer Filmemachers Blaise Harrison. Nach einem Besuch des Large Hadron Collider (LHC) trübt sich die Wahrnehmung des siebzehnjährigen Schülers P. A., der seine Jugend am Fusse des französischen Juras verbringt. Die Erdoberfläche beginnt sich unmerklich zu verformen, Vogelschwärme wogen am Himmel hin und her, ein Mensch verschwindet auf mysteriöse Weise von der Bildfläche. Was von ihm übrig bleibt, ist eine Wolke leuchtender Teilchen.

In grossen Dimensionen denken

Wer den Large Hadron Collider (LHC) zum ersten Mal sieht, kann tatsächlich den Eindruck gewinnen, dass hier Ungeheuerliches geschieht. Denn 100 Meter unter der Erde öffnet sich eine Welt, wie man sie nicht oft zu sehen bekommt. Hier ist alles gigantisch. Ein 27 Kilometer langer Tunnel, vollgestopft mit Tausenden von Magneten, die die Teilchenstrahlen bündeln und auf eine Kreisbahn zwingen. Und erst die Geräte, mit denen die Kollisionen nachgewiesen werden. Dass der CMS-Detektor mit einer Länge von 21 Metern, einem Durchmesser von 15 Metern und einem Gewicht von 14 000 Tonnen als kompakt bezeichnet wird, zeigt, in welchen Dimensionen man hier denkt.

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