Jüngste Eskalation zwischen den USA und dem Iran beruhte womöglich auf Fehlinformation


Raketenangriff, der US-Bürger auf Basis tötete, ging womöglich nicht von Schiitenmilizen, sondern vom „Islamischen Staat“ aus

DERSTANDARD

Der Angriff auf die US-Basis bei Kirkuk hatte eine Eskalationskette zur Folge. Unter anderem versuchten Demonstranten, die US-Botschaft in Bagdad zu stürmen. Foto: AP / Khalid Mohammed

Als am 8. Jänner zwei iranische Raketen versehentlich auf ein ukrainisches Flugzeug abgeschossen wurden, starben dabei 167 Menschen. Es war der blutige Höhepunkt einer Konfrontation zwischen dem Iran und den USA, die fast in einen noch größeren bewaffneten Konflikt geführt hätte. Vorausgegangen war dem verhängnisvollen Unglück eine Eskalationskette: Der Iran hatte eine US-Basis beschossen und damit auf die Tötung von Topgeneral Ghassem Soleimani reagiert. Der Drohnenangriff auf den Militär war wiederum eine Reaktion auf die versuchte Stürmung der Bagdader US-Botschaft durch schiitische Demonstranten. Diese hatten ihrerseits damit auf Angriffe der USA auf Basen der Schiitenmiliz Kataib Hisbollah reagiert – und die wiederum waren eine Reaktion auf den Angriff besagter Miliz auf eine irakische Militärbasis, bei dem ein ziviler Mitarbeiter der US-Armee ums Leben kam.

Das jedenfalls ist jene Variante, die bisher öffentlich für wahrscheinlich gehalten wurde. Ein Bericht der „New York Times“ vom Donnerstagabend stellt diese Version aber jetzt infrage. In irakischen Geheimdienstkreisen sei man nämlich nicht mehr sicher, ob der Angriff, der die Eskalation ausgelöst hat, wirklich von der irannahen Miliz ausgegangen sei: Es könnte, heißt es, auch der sunnitische „Islamische Staat“ (IS) gewesen sein, der von allen Beteiligten – den USA, dem Iran und auch schiitischen Milizen – bekämpft wird.

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