Droht bei einer Verschmelzung des Gehirns mit KI der Verlust des Bewusstseins?


Die Philosophin und Kognitionswissenschaftlerin Susan Schneider führt ungelöste Probleme für die Implantation von Chips im Gehirn zur kognitiven Optimierung an

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Der Milliardär Elon Musk hat Flausen im Kopf. Er kann sie sich leisten. Die letzte Idee war die Gründung seines neurotechnologischen Start-Ups Neuralink zur Entwicklung einer Gehirn-Computer-Schnittstelle. Vor kurzem hieß es, man habe ein Neuroimplantat mit über 3000 Elektroden entwickelt, die mit einer Nadel eines neurochirurgischen Roboters in die Gehirne von Ratten eingeführt wurden. Angedacht ist in Zukunft eine Implantation mit Laser. Geplant ist, Strom- und Datenübertragung drahtlos zu bewerkstelligen, um letztlich „biologische Intelligenz mit Maschinenintelligenz zu verschmelzen“. Das ist für ihn deswegen wichtig, weil ansonsten Künstliche Intelligenz die Macht übernehmen könnte.

Ob eine solche Schnittstelle mit der propagierten Verschmelzung jemals zu realisieren sein wird, ist offen, aber wohl eher unwahrscheinlich. Neurochips mit bestimmten Funktionen, auch zum kognitiven Enhancement sind schon eher denkbar. Die Philosophin und Kognitionswissenschaftlerin Susan Schneider, Direktorin des Instituts AI, Mind and Society („AIMS“) an der University of Connecticut, findet die Idee der Verschmelzung prinzipiell bedenklich. In einem Beitrag für die Financial Times und die New York Times warnt sie im apokalyptischen Ton, dass der Versuch, das menschliche Gehirn mit KI zu verbinden, in einem (geistigen) Selbstmord enden könnte.

Schneider sagt, Brainchips könnten aus zwei philosophischen Gründen nicht funktionieren. Bewusstsein bzw. bewusste Erfahrung ist persönlich. Uneins sei man, ob es Bewusstsein nur auf biologischer Grundlage gebe oder ob sich auf anderen Substanzen wie Silizium- oder Graphit-Mikrochips auch bewusste Erfahrungen entwickeln können.

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