Konkurrenz oder Kooperation? Das ist die entscheidende Frage


Die Ansicht, der Mensch sei von Natur aus ein Wesen, das konkurrenzorientiert ist und seine beste Leistung in einer Konkurrenzsituation erzielt, erscheint als eine Gewissheit, die keines Beweises bedarf. Was aber sagt die Wissenschaft?

Andreas von Westphalen | TELEPOLIS

„Die Menschen sind genetisch so veranlagt, dass sie konkurrieren – um einen Partner, im Sport, bei der Arbeit. Wettbewerbe mit einem Anreiz zwingen die Menschen, unter vorgegebenen Randbedingungen ein klares Ziel zu verfolgen, das die Lösung eines Problems ist,“ erklärt der Unternehmer Peter Diamandis, überzeugt.

Tatsächlich: Wohin das Auge blickt, herrscht Konkurrenz. Die Gesetze des Wettbewerbs bestimmen das Leben. Sei es in der Schule, bei der Bewerbung oder am Arbeitsplatz, in der Freizeit auf dem Sportplatz oder bei der Casting-Show im Fernsehen, nicht zuletzt sogar bei der Anzahl der Freunde auf Facebook. Zwischen Unternehmen herrscht Konkurrenz. Zwischen Schulen und zwischen Universitäten. Zwischen gewerblich genutzten Standorten und auch zwischen Krankenhäusern. Und letztendlich herrscht auch zwischen den Staaten ein gnadenloser Wettkampf, sei es um Ressourcen, die Positionierung in der Weltwirtschaft oder im internationalen Steuerwettbewerb.

Die effizienteste Methode, die wir kennen

Wettbewerb ist das A und O in der Wirtschaft, die das Denken und Handeln auch in immer mehr Bereichen bestimmt, die früher nicht in diesen Kategorien gedacht wurden wie beispielsweise Schulen, Universitäten und Krankenhäuser. Der Grund hierfür ist einfach: „Der Wettbewerb ist die effizienteste Methode, die wir kennen,“ wie die neoliberale Wirtschaftswissenschaftler Friedrich von Hayek feststellte.

Nicht nur erscheint der Wettbewerb als die effizienteste Methode, um auch das Niveau auf Schulen, Universitäten und Krankenhäuser zu maximieren, sondern entspricht dem Wesen der Natur des Menschen. So die weitverbreitete Gewissheit. In diesem Sinne formuliert auch der Guardian-Journalist George Monbiot die Merkmale des Neoliberalismus:

Der Neoliberalismus betrachtet den Wettbewerb als das bestimmende Merkmal der menschlichen Beziehungen. Er definiert die Bürger neu als Verbraucher, deren demokratische Entscheidungen am besten durch Kauf und Verkauf getroffen werden, ein Prozess, der Verdienste belohnt und Ineffizienz bestraft. Er behauptet, dass „der Markt“ Vorteile bietet, die durch Planung nie erreicht werden könnten.

Leistung und Leistungsgesellschaft

Es kann eigentlich kein Zweifel bestehen, dass die Annahme im Kapitalismus der Wirklichkeit entspricht, der Mensch könnte am stärksten durch Konkurrenz motiviert werden und so seine Höchstleistungen erreichen. Es erscheint einleuchtend, dass ein Menschen bei einem Wettrennen schneller läuft, als beim einsamen Training. Tatsächlich lässt sich dies wissenschaftlich auch recht einfach belegen: Bei einem simplen Experiment mit zwei Pilates-Gruppen wurde einer Gruppe als Motivation mitgeteilt, in einer unbekannten Trainingsgruppe könnten 80 Prozent der Teilnehmer die anstrengende Prank-Übung deutlich länger halten. Nach dieser Nachricht steigerten die Probanden ihre Leistung erkennbar.

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