Missing Link: Nur ein Verbot bestimmter Algorithmen kann die Demokratie retten


Vom Analysten zum Aktivisten: Roger McNamee hat an Facebook gut verdient. Nun fordert er eine radikale Umkehr und ein Verbot von Amplifizierungs-Algorithmen.

Monika Ermert | heise online

(Bild: whiteMocca/Shutterstock.com)

Roger McNamee war ein Angel Investor und Berater von Mark Zuckerberg. Facebooks Einfluss auf die US-Wahlen 2016 machten den US-Analysten und Investor vom Saulus zum Paulus. Nachdem seine Ratschläge, etwas gegen die unheilige Rolle der Plattform im politischen Diskurs zu tun, bei dem Unternehmen auf taube Ohren stießen, wandte sich McNamee gegen den Social-Media-Konzern. In seinem Buch „Zucked“ (deutsch „Die Facebook-Gefahr“, Plassen-Verlag) beschreibt McNamee seine Auseinandersetzung mit seinem früheren Zögling.

Am Rande der Digital Live Design Konferenz des Burda-Verlags sprach McNamee mit heise online über ein Verbot von Algorithmen zur Amplifizierung von Hass- und Falschnachrichten, über einen kaputten Markt für Tech-Investoren und die Notwendigkeit, zu Technologie auch mal Nein zu sagen.

Heise online: Halten Sie noch Facebook-Anteile?

Roger McNamee (RMN): Nein, jetzt nicht mehr.

Als Sie anfingen, Facebook zu kritisieren, hatten Sie noch welche. War das in Ordnung?

RMN: Um es ganz klar zu sagen, ich hatte die meisten Aktien verkauft, bevor irgendetwas passiert ist. Als ich zum Aktivisten wurde, habe ich erst einmal nicht weiter verkauft. Es war ein moralisches Dilemma. Ich habe von Facebooks Höhenflug profitiert. Wenn meine Kritik einen Absturz verursacht, sollte ich auch daran teilhaben, dachte ich. Die Ironie des Ganzen war, dass die Aktien keineswegs gefallen sind. Übrigens zeigt das klar, wie schwer sich der Aktivismus in diesem Bereich tut. Letztlich haben die Internetplattformen – und da spreche ich von Facebook, Google, Amazon und Microsoft – eine Größe erreicht, die es selbst für ganze Länder unmöglich macht, sie unter Kontrolle zu bringen.

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