Ab an die Ostfront: Schweizer Ärzte pflegen Hitlers verwundete Soldaten


Getarnt ist die Mission als humanitäre Hilfsaktion. In Tat und Wahrheit unterstützen Chirurgen und Krankenschwestern aus der Schweiz von 1941 bis 1943 die deutsche Wehrmacht.

Erich Aschwanden | Neue Zürcher Zeitung

Die Fahrzeuge der Ärztemission tragen das Emblem des Roten Kreuzes, obwohl die Aktion weder neutral noch humanitär ist. Photopress/Keystone

Eugen Bircher gehört Anfang der 1940er Jahre zu den einflussreichsten Persönlichkeiten der Schweiz. Als Chirurg, Offizier und rechtsbürgerlicher Politiker vereinigt der 1882 geborene Bircher einiges an Macht. Er ist Direktor des Kantonsspitals Aarau, kommandiert eine Division und ist auf dem Sprung ins nationale Parlament. Aus seinen weltanschaulichen Präferenzen hat der Militärtheoretiker nie ein Hehl gemacht. Im Zweiten Weltkrieg, der rund um die neutrale Schweiz tobt, schlägt sein Herz für Deutschland, dessen Militarismus er uneingeschränkt bewundert.

Als es im Juni 1941 zur direkten Konfrontation zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion kommt, ist für Bircher klar, was die neutrale Schweiz zu tun hat: Sie muss im Rahmen ihrer Möglichkeiten Deutschland zur Seite stehen. Einen Sieg des Sozialismus, den er innerhalb der Schweiz mit der Gründung von Bürgerwehren aktiv bekämpft, gilt es unter allen Umständen zu verhindern. Der glühende Antikommunist hat bereits einen Plan, für den er seine Erfahrungen als weltweit anerkannter Chirurg und Offizier in die Waagschale werfen kann: Schweizer Ärzte und Krankenschwestern sollen an die Ostfront reisen und dort in den Lazaretten verwundete Soldaten pflegen. Leiten will Bircher die Mission höchstpersönlich.

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