Die Nichtwähler sind entscheidend


Ist es hilfreich, wenn in Thüringen die etablierten Parteien auf größere Distanz zur AfD gehen – und damit auch zu ihren Wählern? Für das Funktionieren der Demokratie hält der Soziologe Steffen Mau eine andere Frage für dringlicher.

Steffen Mau im Gespräch mit Nicole Dittmer | Deutschlandfunk Kultur

Wahlaufruf an einer Häuserwand in Leipzig: In Sachsen, Brandenburg und Thüringen bleiben 35 bis 40 Prozent der Wahlberechtigten zu Hause. (imago images/Peter Endig)

In einer gerade veröffentlichten Langzeituntersuchung ist die Konrad Adenauer Stiftung zu dem Ergebnis gekommen, dass die Menschen im Osten die Demokratie schlechter bewerten als in Westdeutschland. In Thüringen hatten 23 Prozent die AfD gewählt und damit der aktuelle Politik eine Absage erteilt. Wie können und sollten die anderen Parteien mit dieser Wählerschaft umgehen?

Steffen Mau hält das für eine schwierige Frage. Ja, 22 Prozent hätten mit der AfD eine „radikale und chauvinistische Partei“ gewählt, sagt der Professor für Soziologie an der Berliner Humboldt-Universität und Autor des Buches Lütten Klein, ein Stadtteil von Rostock, in dem sich Mau mit der Seele der Ostdeutschen beschäftigt hat.

Anknüpfungspunkte suchen oder Kontaktverbot?

Am besten sei es zu unterscheiden, sagt Mau: zwischen der Wählerschaft und der Partei, und zu schauen, wo man Anknüpfungspunkte finde, „ohne dass man natürlich die Programmatik, das Vokabular und das Auftreten dieser Partei imitiert.“ Das Risiko dieser Strategie bestehe jedoch darin, die Partei durch gemeinsame Anknüpfungspunkte zu normalisieren.

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