«Crypto-Leaks»: Die CIA und der deutsche Nachrichtendienst haben jahrelang über eine Schweizer Firma gegen 100 Staaten abgehört


Laut einer internationalen Recherche unter Beteiligung von SRF hat die Zuger Firma Crypto AG bis 2018 mit der CIA kooperiert. Über manipulierte Chiffriergeräte aus der Schweiz sollen amerikanische und deutsche Nachrichtendienste andere Staaten abgehört haben.

Georg Häsler Sansano | Neue Zürcher Zeitung

Über die Zuger Firma Crypto hat der BND während Jahrzehnten zahlreiche Staaten ausspioniert. Steffi Loos/getty

Dort, wo es schattig und düster wird im Staat, beginnt das Revier der Investigativjournalisten. Sie verstehen sich als Wachhunde der Demokratie mit feiner Nase für Verschwörung und Verrat. Oft enden ihre Fährten blind im Nirgendwo. Doch diesmal ist der «Rundschau» in Zusammenarbeit mit der «Washington Post» und dem ZDF offenbar ein Coup gelungen: Hunderte von Seiten geheimer Dokumente sollen gemäss ihrer Berichterstattung belegen, dass deutsche und US-Nachrichtendienste seit 1970 über die Zuger Firma Crypto AG namentlich Regime von Schwellenländern ausspioniert hätten. Darunter die verfeindeten Atommächte Indien und Pakistan.

«Beitrag für eine sicherere Welt»

Manipulierte Chiffriergeräte mit dem politischen Gütesiegel «made in Switzerland» liessen, immer laut den «Crypto-Leaks», eine Hintertüre offen: So hörten CIA und BND wohl mit, wenn sich argentinische Offiziere Ende der siebziger Jahre via Funk über systematische Menschenrechtsverletzungen austauschten, oder die iranischen Revolutionsgarden auf dem Höhepunkt der Besetzung der US-Botschaft in Teheran taktische Anweisungen erhielten. Auch der Friede von Camp David zwischen Israel und Ägypten soll massgeblich dank Druckmitteln gelungen sein, welche die amerikanischen Dienste möglicherweise über Crypto-Geräte abgesaugt hatten. Nicht betroffen von der Spionageaktion waren die Sowjetunion und die Staaten des Warschauer Pakts, die unmittelbaren Gegner der Nato im Kalten Krieg.

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