Der türkische Plan in Idlib: Die nächste „Sicherheitszone“?


Die syrische Regierung erreicht, ohne von der Türkei daran gehindert zu werden, ihr nächstes militärisches Etappenziel in Idlib. Ankara hat anderes im Visier, als Assad zu bekämpfen

Thomas Pany | TELEPOLIS

Bild: ANF

Die syrische Armee hat die Kontrolle über die Verkehrsverbindung zwischen der Hauptstadt Damaskus und dem Wirtschaftszentrum Aleppo gewonnen, wie heute gemeldet wird. Damit hat die Assad-Regierung ein wichtiges Etappenziel erreicht. Ob dies die Spannungen im Raum Idlib und der Umgebung Aleppos etwas abmildert? Die Kämpfe in der Umgebung gehen weiter.

Dabei ist die Rolle der Türkei undurchsichtig. Offensichtlich ist, dass ihr Aufgebot an schwerem Kriegsgerät in Idlib beachtlich ist und laut Informationen des türkischen Mediums TRT auch Kommandoeinheiten der türkischen Armee zu den Beobachtungsposten nach Idlib entsandt wurden.

Die Türkei ganz aufseiten der „syrischen Revolution“?

Es gibt Bilder von Milizen der „Nationalen Syrischen Armee“ (eine Fortsetzung des Milizenbündnisses FSA), die in gepanzerte Transportfahrzeuge mit türkischen Fahnen klettern und angeblich Richtung Idlib aufbrechen. Das sorgte im kurdischen Medium ANF für einen Bericht, wonach Dschihadisten des Milizenbündnisses nun in türkische Uniformen gekleidet werden und in Idlib stationiert würden, um dort „den Vormarsch russischer und syrischer Truppen“ zu stoppen. Manche Berichte mutmaßen gar, dass die Türkei nun die Milizen-Opposition völlig im Kampf gegen die Regierung in Damaskus unterstützt.

Allerdings steht die obige Erfolgsmeldung der syrischen Armee dazu im Widerspruch. Wäre es der türkischen Führung tatsächlich ernst damit, Kriegspläne der Assad-Regierung zu durchkreuzen, so hätte sie mit dem Waffenarsenal und den Truppen, die sie nach Idlib gebracht hat, die Möglichkeit gehabt, die Eroberung des Teilstücks der Schnellstraße M5 zu verhindern oder bis auf weiteres hinauszuzögern.

Das hätte allerdings die Spannungen mit Russland verstärkt. Gut möglich ist, dass die Türkei mit der Militärinvasion in Idlib ein Ziel im Auge hat, über das sie mit Russland verhandelt, und die Kontrolle der Verkehrsverbindung gehört als Verhandlungsmasse dazu.

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