100 Jahre Spitzbergen-Vertrag: Russland erhebt Ansprüche


Es soll große Vorkommen von Gold, Silber, Kupfer und Zink auf dem Meeresboden geben, überdies hat Moskau Sorge vor einer weiteren Nato-Osterweiterung

Jens Mattern | TELEPOLIS

Ny-Ålesund auf Spitzbergen. Bild: Superchilum/CC BY-SA-3.0

Zum Jubiläum gibt es Gesprächsbedarf. Russland fordert von Norwegen mehr Rechte auf Spitzbergen: weniger Umweltrestriktionen, eine Diskussion der Fischereigesetze und nach Vertrag „gleichen freien Zugang des Archipels“ sind die wichtigsten Ansprüche, die der russische Außenminister Sergej Lawrow kürzlich von seiner norwegischen Amtskollegin Ine Eriksen Søreide zukommen ließ. Es ist ein weiteres Kapitel im Streit um den Einfluss in der Arktis.

Die Unterzeichnung des Spitzbergenvertrags hatte sich vergangenen Sonntag zum 100. Mal gejährt. Am 9. Februar 1920 bestätigten mehrere europäische Staaten sowie die USA die norwegische Souveränität über die Inseln. Das Abkommen, dem später weitere Staaten beitraten, erlaubt den Mitgliedern die freie Arbeit, Handel und Schifffahrt.

In der Praxis ist das 100 Jahre Abkommen für die entmilitarisierte Zone nicht wirklich für Änderungen offen, dazu bräuchte es einen Konsens zwischen allen mittlerweile 44 Vertragsstaaten. Doch über die Auslegung gibt es immer wieder Streit, vor allem da sich nun durch den Klimawandel neue Optionen auftun. Die Erwärmung ist schließlich in der Arktis deutlicher zu spüren, auf Spitzbergen angeblich fünfmal stärker als jenseits der Arktis.

Die Inseln im Eismeer gehörten lange keinem Land an, die reichen Kohlevorkommen, die Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt wurden, sorgten für ein wildes Bergbauwesen von Firmen mehrere Nationen. Norwegen konnte nach dem Ersten Weltkrieg im Rahmen der Friedenskonferenz in Paris seine Souveränitätsforderung durchsetzen, im Gegensatz zu den „polarexpansiven“ Ansprüchen auf Ostgrönland und die Antarktis.

Neben Norwegen ist vor allem Russland durch den zweitgrößten Ort Barentsburg als größte Nation auf der Hauptinsel Spitsbergen vertreten. Hier baut die Staatsfirma Arktikugol seit den 1930er Jahren Kohle ab, ein Unternehmen, das sich schon lange nicht mehr lohnen soll.

Klimaerwärmung erschließt Ressourcen

Norwegen will einerseits mittels strengerer Umweltgesetze den Tourismus auf den Inseln mit seiner artenreichen Vogelwelt und den vielen Eisbären ankurbeln – hier sieht Russland sich in seinen Geschäftsfeldern eingeschränkt.

Moskau ärgert sich vor allem darüber, dass Norwegen in der „Svalbardboksen“, dem Seegebiet um den Archipel, Konzessionen für Ölbohrungen erteilt. Der Streit schwelt schon seit den 1970er Jahren, auch die USA und Großbritannien kritisierten damals die norwegische Auslegung, wollten jedoch im Kalten Krieg keine Eskalation.

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