Panzertragender Gigant


Schildkröten sind ein Erfolgsmodell der Evolution – sie existieren schon seit 220 Millionen Jahren und besiedelten Land, Meer und Binnengewässer. Doch nun haben Paläontologen in Venezuela Schildkröten-Fossilien entdeckt, die gleich in mehrerer Hinsicht außergewöhnlich sind: Allein der Panzer der ausgestorbenen Süßwasserschildkrötenart ist fast drei Meter lang und das gesamte Tier wog mehr als eine Tonne. Stupendemys geographicus ist damit die größte bekannte Schildkrötenart überhaupt. Ebenfalls ungewöhnlich: Der Rückenpanzer der Männchen trug am Vorderende zwei große Hörner, die sie wahrscheinlich zum Kampf gegen Rivalen oder Fressfeinde einsetzten.

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Rekonstruktion der Riesenschildkröte Stupendemys geographicus. (Bild: Jaime Chirinos)

Der tropische Norden Südamerikas ist einer der weltweiten Hotspots der Artenvielfalt – und war dies auch schon vor Millionen von Jahren. Nach dem Ende der Kreidezeit vor rund 66 Millionen Jahren entwickelten sich in den feuchten, üppig bewachsenen Lebensräumen dieser Region zudem einige ungewöhnlich großgewachsene Tierarten, wie Fossilfunde belegen. Dazu gehörten unter anderem die größten bekannten Vertreter der Schlangen, Kaimane, Gaviale und Nagetiere, wie Edwin Alberto Cadena von der Universität del Rosario in Bogota und seine Kollegen erklären. Unter den Riesentieren dieser Region war vor rund fünf bis zehn Millionen Jahren auch die ausgestorbene Süßwasserschildkröte Stupendemys geographicus. Die ersten Fossilien dieser Art wurden schon 1976 im Nordwesten von Venezuela gefunden. Aber weil von diesen Exemplaren nur wenige Fragmente und keine vollständigen Panzer und Schädel erhalten waren, blieben ihre Merkmale und die phylogenetische Zuordnung bisher weitgehend im Dunkeln.

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